Stellen Sie sich vor, Sie sind der Betreiber einer kleinen Gaststätte in der Münchner Innenstadt. Ihre Kunden, so nehmen Sie an, kommen zu Ihnen, um sich von einem langen Einkaufsbummel zu erholen. Deshalb haben Sie es in der Vergangenheit nicht für nötig erachtet, Werbung im Internet für Ihr Restaurant zu machen. Doch seit der Gründung Ihres Restaurants hat sich unsere Gesellschaft zumindest in einer Hinsicht gravierend geändert. Hielten die Menschen früher noch aktiv Ausschau nach einem Restaurant, wenn sie das Verlangen verspürten, etwas zu essen, so suchen vor allem jüngere Leute heute mithilfe ihrer Smartphones nach Restaurants, Kneipen und sogar bestimmten Bekleidungsgeschäften. Doch was hat Facebook damit zu tun – wäre in diesem Fall nicht Google mit seinem Dienst Maps die zentrale Anlaufstelle? Womöglich, doch mit der Vorstellung von Graph Search verspricht Facebook in Zukunft in direkte Konkurrenz zu Google Maps zu treten.

Graph Search, das ist eine Suchmaschine mit der es Facebook-Nutzern möglich sein soll, Facebook nach Inhalten, Seiten und Personen zu durchsuchen. So könnte ein Facebook-Nutzer, der in München unterwegs ist, ohne weitere Umstände eine Suchanfrage nach Restaurants in seiner Nähe starten, um Sie als Betreiber zu finden. Was für viele Nutzer und Datenschützer ein Fluch ist, kann für Sie als Seitenbetreiber ein Segen werden, wenn Sie Ihr Profil sauber und übersichtlich gestalten.

Auch wenn Graph Search bislang nur in einer englischsprachigen Betaversion verfügbar ist, lohnt es sich, einen Blick in die Zukunft zu werfen und sein Profil bereits heute nach zukünftigen Trends auszurichten, denn nicht zuletzt trägt ein strukturiertes Profil stets auch zu einem besseren Erlebnis von Besuchern bei.

Was ist mit GraphSearch möglich?

Anders als die bekannte Facebook-Suchfunktion ermöglicht Graph Search den Zugriff auf zahlreiche Metainformationen wie Interessen von Personen, Standorte, „Gefällt mir“-Angaben und vieles mehr. Dadurch lassen sich Fragen wie „pages liked by my friends“, oder gar noch präziser „pages, liked by my husband“, etc. an Facebook stellen und, das ist das Innovative daran, werden qualitativ beantwortet. Auch wenn Graph Search längst nicht fertig ist und viele Funktionalitäten noch nicht implementiert sind, kann man bei einer Nutzung bereits erkennen, dass sich hier völlig neue Möglichkeiten für das Marketing ergeben. Das bereits erläuterte Beispiel einer Suche nach Restaurants in der Nähe ist bereits möglich, während Suchanfragen, die es erlauben, Unternehmen nach Geschäftsfeldern zu finden, bislang noch nicht implementiert sind. Doch angesichts der vielfältigen Funktionalitäten, die Suchanfragen bereits jetzt bei Privatpersonen bieten, ist zu erwarten, dass in Zukunft ähnliche Funktionen auch für Seiten verfügbar sein werden.

Personen lassen sich nicht nur aufgrund ihres Wohnortes, ihrer Arbeitsstätte und aufgrund von religiösen Einstellungen finden. Es ist sogar möglich, die „Gefällt mir“-Angaben einer Person auszuwerten. Man kann so beispielsweise nach allen Personen suchen, denen eine bestimmte Seite gefällt. Durch die Eingabe von „people who like Hanser Literaturverlage“ erhält man beispielsweise rund 4.000 Treffer, was ungefähr der Anzahl an Fans dieser Facebook-Seite entspricht.

Bild 1: GraphSearch Ansicht "people who like Hanser Literaturverlage"

Bild 1: GraphSearch Ansicht „people who like Hanser Literaturverlage“

Anforderungen an das Profil einer Seite

Wenn Sie wollen, dass Ihre Seite durch Graph Search gefunden wird, müssen Sie ein paar Regeln beachten. Insbesondere ist es erforderlich, Informationen an der richtigen Stelle einzutragen und wenn möglich nicht zu umschreiben. Die bisherige Betaversion von Graph Search ermöglicht insbesondere das schnelle Finden von lokalen Unternehmen, doch die für diese Unternehmen geltenden Kriterien können auch auf andere Unternehmen übertragen werden.

Der wohl wichtigste Aspekt ist die richtige Kategorisierung einer Facebook-Seite. So ist es zwingend notwendig, dass eine Facebook-Seite auch der richtigen Kategorie zugeordnet wurde, damit diese mittels Graph Search gefunden werden kann. Der Grund hierfür ist denkbar einfach. Stellen Sie sich einfach vor, sie suchen ein Restaurant und geben das auch in Facebook ein. Die Facebook-Seite eines Restaurants, das unvorsichtigerweise in der Kategorie „Sport“ abgelegt wurde, weil der Betreiber regelmäßig Fußball überträgt, wird von Facebook bei einer solchen Abfrage nicht gefunden, da die Kategorie „Sport“ von Anfang an ignoriert und gar nicht erst durchsucht wird.

Um die Kategorie einer Seite zu ändern ist es erforderlich, die Gruppe sowie die Kategorie in den Allgemeinen Informationen zu bearbeiten.

Bild 2: Kategorie einer Facebook Seite ändern

Bild 2: Kategorie einer Facebook Seite ändern

Neben der richtigen Kategorie ist es auch wichtig, die übrigen Informationen einer Seite korrekt anzugeben. Sollten Sie beispielsweise die inoffizielle Seite einer anderen, offiziellen Seite betreiben, so ist es vermutlich ratsam, dies unter den Allgemeinen Informationen auch anzugeben. Andernfalls würde Ihre Seite vermutlich angesichts der offiziellen Seite in den Suchergebnissen untergehen. Indem Sie Ihre Seite als eine inoffizielle Seite angeben, kann Facebook diese als eine Alternative zur offiziellen Seite erkennen und dementsprechend auswerten.

Als besonders wichtig dürfte sich zumindest bei Seiten, bei denen das relevant ist, auch die richtige Ortsbezeichnung erweisen. Diese ist vor allem für Suchanfragen wie „Restaurants nearby“ wichtig, da Ihre Seite so nur mit einer richtigen Ortseinstellung auch gefunden werden kann. Leider ist es oft gar nicht so einfach einen Ort richtig anzugeben. In großen Städten mag das kein Problem darstellen. Hier liefert Facebook auch während der Eingabe in den Allgemeinen Informationen treffende Vorschläge. Doch in eher ländlichen Regionen kann eine exakte Ortsangabe zum Problem für den Seitenbetreiber werden. Selbst manche Vorschläge, die der Benutzer eingibt, werden von Facebook nicht gefunden. Doch glücklicherweise lässt sich der Ort auch auf der Karte auswählen. Dazu müssen Sie einfach die Positionsnadel in der dargestellten Karte an die gewünschte Stelle verschieben und  anschließend speichern. Allerdings scheint das System von Facebook, das hier durch Kartenmaterial von BING unterstützt wird, fehlerhaft zu sein. Prüfen Sie deshalb noch einmal genau, ob Sie auch tatsächlich den richtigen Ort eingestellt haben, bzw. ob Facebook Ihre Einstellungen übernommen hat. Sollte das nicht der Fall sein, wenden Sie sich an den Support von Facebook. Im Zweifel ist es ratsam, die Postleitzahl anzugeben und die Adresse auszufüllen und auf den Ort zu verzichten. Anschließend kann man die Feineinstellungen auf der Karte vornehmen und den Ort speichern. Das ist zwar keine optimale Angabe, aber immerhin eine Angabe, die auffindbar ist. Trotzdem lohnt es sich immer, sich an den Facebook-Support zu wenden, der einem weitere Hilfestellungen geben könnte.

Bild 3: Einen Ort auswählen

Bild 3: Angabe eines Ortes auf Facebook

Wenn Sie eine regionale Seite betreiben, wie beispielsweise eine Seite eines Amateursportvereins oder einer Gaststätte, gibt es meist Optionen, die eine nähere Kategorisierung Ihrer Seite erlauben. Hier sollten Sie, falls möglich, für alle drei möglichen Unterkategorien, die Ihre Seite beschreiben, eine Auswahl treffen.

Bild 4: Unterkategorien

Bild 4: Unterkategorie einer Seite

Durch eine sorgfältige Angabe auch der übrigen Informationen kann die Platzierung weiter optimiert werden. Insbesondere der Seitentitel sollte wohlüberlegt sein. Hier ist meist ein Mittelweg zwischen einem kurzen, prägnanten  und einem sprechenden Titel zu treffen. Ein recht unbekanntes Unternehmen, dessen Name nicht auf den Tätigkeitsbereich schließen lässt, sollte ggf. einen Hinweis auf die Branche im Titel der Facebook-Seite mit angeben. Nur einen Branchenname anzugeben ist jedoch ebenfalls nicht geeignet, da die Seite sonst in den Suchergebnissen unterzugehen droht.

Sollte Facebook in Zukunft eine Art Hashtag einführen (Golem.de will „Gerüchten zufolge“ erfahren haben, dass Facebook eine Einführung von Hashtags plant), mit der Beiträge und Beschreibungen durchsuchbar gemacht werden, wie das bereits bei Twitter der Fall ist, sollten Sie als Seitenbetreiber Ihre Informationsbeschreibungen und auch Ihre Beiträge Suchmaschinenoptimiert gestalten. Allerdings ist das alles noch ungewiss, weshalb Vorhersagen hier nur sehr vage getroffen werden können. In jedem Fall kann Graph Search jedoch für aufgeräumte Seiten einen deutlichen Besuchergewinn bedeuten, gleichermaßen gehen jedoch auch unaufgeräumte Seiten in den Suchergebnissen unter. Es lohnt sich also in jedem Fall, eine aufgeräumte Seite zu gestalten, denn nicht zuletzt kommt das auch den Besuchern der Seite zugute.

Update: Facebook hat seine Pläne bezüglich Hashtags nun umgesetzt und am 12. Juni 2013 mit dem Rollout der Funktion begonnen. Ein Thementagging mit Hilfe von Hashtags ist nun also möglich.

Bidl 5: Professionelles Facebook-Marketing

Bidl 5: Professionelles Facebook-Marketing

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