Bild 1: Facebook, Twitter & Co., Aber sicher!

Bild 1: Facebook, Twitter & Co., Aber sicher!

Für viele Menschen sind soziale Netzwerke zu einem integralen Bestandteil ihres Lebens geworden. Obwohl der Siegeszug von Facebook und Co. erst im Jahr 2004 begann, können sich bereits heute zahlreiche Menschen ihr Leben ohne soziale Netzwerke nicht mehr vorstellen. Zwischen Bett und Frühstück den ersten Tweet verfassen, oder den Morgen gemeinsam mit hunderten von Freunden auf Facebook zu feiern, das ist für viele Menschen zum Alltag geworden. Doch auch wenn wir unsere Mobiltelefone inklusive Facebook-App vor dem Schlafengehen unter unser Kopfkissen legen, gibt es Gründe, eine gewisse Distanz zu sozialen Netzwerken zu wahren.

Der transparente Nutzer

Privatsphäre gibt es gegenüber den Betreibern sozialer Netzwerke nicht mehr. Unternehmen wie Facebook verdienen ihr Geld mit dem Verkauf von Werbeanzeigen. Um den Wert einer Werbeanzeige für Werbetreibende zu vergrößern, ist es notwendig, umfassende Daten über die Nutzer des sozialen Netzwerkes zu besitzen, um anschließend nur Werbeanzeigen gemäß seiner Bedürfnisse anzuzeigen. Getrieben von der Aussicht auf Milliardengewinne ermitteln soziale Netzwerke immer mehr Daten von ihren Nutzern und schlagen dabei Wege ein, die Datenschützern die Haare zu Berge stehen lassen.

Der „Gefällt mir“-Button von Facebook oder der „+1“-Button von Google+ ist nur eine Möglichkeit der Unternehmen, intime Informationen über ihre Nutzer zu erlangen. Sie ermöglichen die Verfolgung eines Nutzers, aber auch völlig fremder Personen durch weite Teile des Internets. Nur der Besuch einer Seite, die einen „Gefällt mir“- oder „+1“-Button enthält, führt dazu, dass im Hintergrund und ohne das Wissen des Nutzers, Daten an Facebook bzw. Google übertragen werden, mit denen es den Unternehmen möglich ist, einen beinahe lückenlosen Browserverlauf der Nutzer zu ermitteln. Glücklicherweise gibt es einen einfachen Weg, um das zu verhindern: Die Deaktivierung der „Cookies von Drittanbietern“ im Browser.

Bild 1: Wir teilen unser Leben

Bild 2: Deaktivierung der „Cookies von Drittanbietern“

Doch nicht nur im Cyberspace werden die Nutzer sozialer Netzwerke regelrecht verfolgt. Auch auf das reale Leben trifft dies teilweise zu. Durch die GPS-Funktion moderner Mobiltelefone ist es ohne weiteres möglich, einen Nutzer zu orten. Das lassen diese auch regelmäßig und ganz bewusst zu, wenn sie angeben, dass sie sich gerade an einem bestimmten Ort befinden. Doch selbst wenn Nutzer sozialer Netzwerke keine besonders ausgeprägte exhibitionistische Ader haben, ist nicht ausgeschlossen, dass Positionsdaten im Hintergrund an die Server von Google und Facebook übermittelt werden. Zwar gibt es bislang keine Beweise dafür, dass die Apps der sozialen Netzwerke ohne das Wissen des Nutzers Gebrauch von ihren Berechtigungen machen und Positionsdaten ungefragt abrufen. Aber nachdem entsprechende Logfiles schon bei Unternehmen wie Apple gefunden wurden, liegt die Vermutung nahe, dass sich auch andere Firmen unbemerkt Zugang zu Bewegungsdaten von Nutzern verschaffen könnten.

Facebooks neueste Suche Graph Search, die in den USA als Betaversion verfügbar ist, zeigt, wie umfassend sich alleine die freiwillig angegebenen Daten der Facebook Nutzer dazu nutzen lassen, nach Personen oder Personengruppen zu suchen. Es ist unvorstellbar und hat auch einen bitteren Beigeschmack, wenn man versucht, sich auszumalen wie umfassend der Eindruck eines Nutzers erst wäre, könnte man auf alle bei Facebook gespeicherten Daten des Nutzers zugreifen.

Bild 2: Wir teilen unser Leben

Bild 3: Graph Search, die „soziale“ Suchmaschine

Identitätsdiebstahl und soziale Netzwerke

Doch Graph Search beunruhigt nicht nur deswegen, weil es bislang ungekannte Einblicke in das Innenleben Facebooks geben kann, sondern auch, weil es so prinzipiell jedem Nutzer möglich ist, beliebige Informationen über andere Nutzer abzufragen. Das mag für viele zunächst noch harmlos erscheinen, doch nicht zuletzt sind gerade solche Abfragen der Ausgangspunkt für Identitätsdiebstahl und die damit verbundenen Verbrechen von Cyber-Kriminellen.

Wer schon einmal Opfer eines Cyber-Angriffs geworden ist, der weiß, dass es nicht nur lästiger Aufwand ist, wieder Zugriff auf seine Benutzerkonten zu erlangen, sondern dass dabei auch ein großer finanzieller Schaden entstehen kann.

Identitätsdiebstahl kann vielfältige Gründe haben. Es gibt Angreifer, die ihre Straftaten verschleiern möchten, solche, die auf Geld aus sind oder die lediglich daran interessiert sind, einem Nutzer zu schaden. Gerade letztere sind im Zuge der kurzen Erfolgsgeschichte des angeblichen Kollektivs Anonymous aufgetaucht. Sie wollen ihren Opfern mit allen Mitteln schaden – sowohl in finanzieller, als auch sozialer Hinsicht. Den meisten geht es dabei weniger um den Sinn ihres Aktionismus, als vielmehr um das Verbrechen selbst. Sie verüben ihre Verbrechen aus Leidenschaft und gehören damit in vielen Fällen zu den unnachgiebigsten Angreifern.

Damit Sie nicht Opfer eines Identitätsdiebstahls werden, sollten Sie einige Regeln beachten:

  • Verwenden Sie Passwörter mit mindestens 8 Zeichen.
  • Verwenden Sie Passwörter ohne persönlichen Bezug.
  • Verwenden Sie keine Wörter, wie sie in einem Wörterbuch stehen.

Da viele Menschen recht schwache Passwörter wie den Namen ihres Lieblingsfußballvereins oder ihren eigenen Vornamen wählen, bieten soziale Netzwerke potenziellen Angreifern die ideale Plattform um sich über Menschen zu informieren und so Zugang zu den notwendigen Daten zu erlangen.

Bild 3: Wir teilen unser Leben

Bild 4: Phishing – die Adresse verrät es: das ist nicht Twitter

Doch Angreifer haben noch eine einfachere Masche gefunden um Passwörter von Nutzern zu ermitteln – sogenannte Phishing: Dabei fälschen Angreifer eine Webseite, auf der Nutzer ihre Anmeldedaten gewöhnlich eingeben und verbreiten einen Link zu dieser Seite. Gibt ein Nutzer seine Anmeldedaten auf einer solchen, gefälschten Seite ein, so werden diese an den Angreifer übermittelt und dieser erlangt Zugriff zu dem entsprechenden Benutzerkonto des Nutzers. Deshalb sollten Sie jederzeit auch die URL einer Seite genau prüfen und bei Auffälligkeiten die Eingabe der Benutzerdaten auf der Stelle abbrechen.

Warum Unternehmen die Facebook-Profile ihrer Bewerber besuchen

Auch Unternehmen wollen so viel wie möglich über ihre Bewerber erfahren. Das liegt daran, dass die Unternehmer mit der Beschäftigung eines Mitarbeiters gewisse Pflichten auf diesen übertragen. Es ist erforderlich, dass ein Mitarbeiter pflichtbewusst, zuverlässig und, je nach Arbeitsplatz, freundlich ist. Einen ersten Eindruck können die Verantwortlichen eines Unternehmens dem Facebook-Profil eines zukünftigen Mitarbeiters entnehmen. Hier sehen sie nicht nur die öffentlichen Postings des Nutzers, die oft schon Informationen über Interessen und Verhaltensweisen eines Nutzers aussagen, sondern können vor allem auf eine umfangreiche Liste an „Gefällt mir“-Angaben zugreifen, mithilfe derer sich, wie wissenschaftliche Studien kürzlich belegt haben, nahezu vollständige und erstaunlich gute psychoanalytische Gutachten erstellen lassen. Ein Beispiel ist die Studie You are what you like der University of Cambridge. Auch die Bilder eines Nutzers sagen eine Menge über ihn aus. Ist ein Nutzer auf mehreren Fotos alkoholkonsumierend abgebildet, so wird der Personalverantwortliche eines Unternehmes gegebenenfalls eine Entscheidung zu Ungunsten des Bewerbers treffen.

Im Rampenlicht

Doch nicht nur Unternehmen nutzen soziale Netzwerke um Informationen über zukünftige Mitarbeiter abzurufen. Mittlerweile nutzen auch zahlreiche andere Menschen soziale Netzwerke, um Recherchen zu neuen Kontakten anzustellen, oder um mehr über Bekannte zu erfahren.

Bild 5: Facebook Privatsphäreeinstellungen

Bild 5: Facebook Privatsphäreeinstellungen

Das kann zuweilen sehr extreme Formen annehmen und weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen. Nicht nur in den USA ist es schon zu Scheidungen gekommen, weil Frauen ihre Männer beim „Fremdgehen“ erwischt haben und umgekehrt. Aus solchen Gründen lohnt es sich, sein Profil vor dem Zugriff Fremder zu schützen. Dabei wird vor allem die Privatsphäreeinstellung „Sichtbar für Freunde von Freunden“ oft unterschätzt. Ein durchschnittlicher Nutzer, der Inhalte mit dieser Sichtbarkeit teilt, erreicht damit rund drei- bis viertausend Menschen. Das ist alles andere als privat und nicht zuletzt ist es beinahe jedem Menschen möglich, Zugang zu diesen Inhalten zu erlangen, ohne dass der Verfasser das in irgendeiner Weise mitbekommt, indem er einem Freund des Nutzers eine Freundschaftsanfrage sendet.

Gerade dieses Beispiel zeigt, wie sehr soziale Netzwerke unterschätzt werden. Den meisten Menschen ist die Tragweite ihrer Handlungen in sozialen Netzwerken überhaupt nicht bewusst. Hier fehlen auch Eltern wichtige Informationen, die ihre Kinder in sozialen Netzwerken eigentlich beaufsichtigen und begleiten sollten. Ohne das Wissen um die Gefahren sozialer Netzwerke sind sie geradezu chancenlos, ihre Kinder vor jenen zu bewahren.

Facebook, Twitter & Co., Aber sicher!

Facebook, Twitter & Co., Aber sicher!

Weitere Informationen zum Thema Sicherheit in sozialen Netzwerken liefert der Ratgeber Facebook, Twitter & Co. – Aber sicher!

Bilder: © Fotolia / Manuel Ziegler