Neue technologische Entwicklungen im IT-Bereich sowie organisatorische Veränderungen der Anwendungspraxis (etwa die Notwendigkeit einer klaren Kundenorientierung bzw. eines abgestimmten Business-IT-Alignment) erfordern hoch qualifiziertes und flexibles IT-Personal für die Übernahme von Management- und Leitungsfunktionen. Erfahrungen der Praxis und Studien zeigen, dass erfolgreiche und moderne IT-Manager folgende Kompetenzen aufweisen:

  • Die IT-Leitung denkt und handelt strategisch, sie kümmert sich als Manager um die Auswahl und Implementierung von IT-Architekturen, die das Business und die Kunden intern wie extern bestmöglich unterstützen unter Beachtung von Governance, Budget, Risikoabschätzung und Technologie.
  • IT-Verantwortliche verfügen über ein umfassendes Prozess-Know-How. Dies umfasst sowohl die Geschäftsprozesse des Unternehmens (der Fachabteilungen) als auch die internen Prozesse der IT-Organisation.
  • Die Abstimmung zwischen IT und Fachbereich (sog. Business-IT-Alignment) stellt einen wesentlichen Kern erfolgreicher Managementtätigkeit in der IT dar. Dabei ist eine gemeinsame Sprache eine wesentliche Erfolgsgarantie.
  • Das IT-Management führt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leistungs- und zielorientiert. Die IT-Leitung ist einerseits auf den einzelnen Mitarbeiter orientiert, andererseits wird sie zunehmend zu einem exzellenten Teamplayer, der integrativ mit allen Führungslinien im Unternehmen „kann“ und sich als Unterstützer bzw. Enabler für nachhaltige Lösungen konstruktiv einbringt.
  • Die IT-Leitung hat eine klare Positionierung zu der Frage, welche Aufgaben von externen IT-Dienstleistern erbracht werden. Sie bestimmt dabei den Grad des Outsourcing unter Berücksichtigung ausgewählter Kriterien. Zu den Outsourcing-Partnern ist die IT-Leitung partnerschaftlich und fair, managt sie aktiv und verhandelt Verträge sicher zum Wohle der IT und des gesamten Unternehmens.
  • IT-Verantwortliche messen ständig die Performance und den Zufriedenheitsgrad der IT, führen Benchmarking mit geeigneten Partnern durch und entwickeln die IT ganzheitlich im und für das Unternehmen weiter.

Eines ist klar: Wenn Sie künftig vermehrt Führungs- und Managementfunktionen im IT-Bereich übernehmen wollen, sollten Sie sich darauf intensiv vorbereiten. Berücksichtigen Sie dabei, dass die Anforderungen, die an ein modernes IT-Management gestellt werden, im permanenten Wandel begriffen sind:

  • IT-Management bedeutet künftig, dass insbesondere Innovationen planmäßig gestaltet und systematisch unterstützt werden.
  • IT-Verantwortliche, denen Führungsaufgaben übertragen werden, müssen vielfach neu, anders, quer denken. Dazu gehören beispielsweise ein angemessener Umgang mit Heterogenität (Berücksichtigung unterschiedlicher Generationen von IT-Fachkräften) sowie das „Zulassen“ von kreativen Lösungsvorschlägen.
  • IT-Führungskräfte von morgen zeichnen sich durch geistige Flexibilität, angemessene Risikobereitschaft und ständige Lernwilligkeit (Stichwort „Life Long Learning“) aus.
  • Sich selbst führen können, ist eine weitere wichtige Forderung, die Führungskräfte an sich selbst stellen sollten. Die wichtigsten Managementfähigkeiten dazu sind die sachgerechte Delegation von Aufgaben sowie das richtige Setzen von Prioritäten.

Wie sich das IT-Management gewandelt hat, soll die Übersicht in folgender Abbildung darlegen.

Typische Orientierungen „alt“
– IT-Manager klassisch
IT-Orientierungen „neu“
– IT-Manager  als CIO
  • Denken und Handeln der IT-Verantwortlichen ist kostenorientiert geprägt
  • Technik-orientiert beim Finden von Entscheidungen sowie bei der Umsetzung von Herausforderungen und Aufgaben
  • Kundenorientierung (Kunden werden so weit wie möglich einbezogen)

 

  • Mitarbeiterorientierung (Ausrichtung auf die Führung einzelner Mitarbeiter)

 

  • Intern orientiert (Kooperation mit den Fachabteilungen)
  • IT-Verantwortliche denken in Ergebnissen (performant)/ Value Management rückt in den Mittelpunkt
  • Leistungsorientierung

 

  • Business- und Geschäftsprozess-orientiert

 

  • IT in Kooperation mit Business (Business IT-Alignment; Ansprechpartner für das Unternehmensmanagement); dies erfolgt systematisch nach klaren Konzepten
  • Nicht nur auf Führung einzelner Mitarbeiter orientiert, sondern gleichzeitig Teamsteuerung (Teambuildung, Teams zum Erfolg führen etc.)

 

  • Extern orientiert (strategisch, Partnerorientierung via Beziehungsmanagement)

 Bild 1: IT-Manager – Berufsbild im Wandel

Die Bedeutung der IT für die Unternehmen und ihre Prozesse ist zunehmend höher geworden. Immer mehr Unternehmen reagieren auf die größere Bedeutung der IT für das Unternehmen, indem sie neben dem klassischen IT-Leiter die Rolle des Chief Information Officer (CIO) vergeben. Von seiner Stellung her ist der CIO normalerweise Mitglied der Geschäftsleitung oder des Vorstands oder dieser Ebene direkt zugeordnet. Durch den CIO wird technisches Know-how und ein detailliertes Wissen über den momentanen Stand der IT-Abteilung und Infrastruktur in die höchste Führungsebene gebracht. Damit wird der Bedeutung der IT-Abteilung in einem Unternehmen besonders hervorgehoben.

Als typische neue Aufgabenbereiche eines modernen CIOs werden gesehen:

  • Entwicklung und Umsetzung einer IT-Strategie für die Informationstechnik- bzw. das Informationsmanagement (IT strategisch ausrichten!).
  • Planen und Managen von Enterprise Architekturen mit einer Festlegung und Durchsetzung von IT-Standards bzw. der Orientierung an Architekturprinzipien.
  • Daten- und Informationsmanagement gewinnt wieder enorm an Bedeutung. Wesentlich ist die Förderung des Informationsflusses zwischen allen Gruppen des Unternehmens, die an IT-Lösungen arbeiten bzw. mit diesen arbeiten.
  • Unterstützung der Fachbereiche bei der Entwicklung und Optimierung von Lösungen für deren Geschäftsprozesse. Identifikation und Einführung von so genannten „Best Practices“ für das Unternehmen.
  • Governance, Risk and Compliance werden für IT-Verantwortliche unverzichtbar.
  • Planung, Überwachung und Analyse der IT-Budgets und IT-Kosten sowie Initiierung und Überwachung von Kostensenkungsprogrammen in Zusammenarbeit mit dem IT-Controlling bei gleichzeitiger Leistungsorientierung bzw. der Hinzuziehung neuer Kriterien (Risk, Compliance).

Bezüglich der neuer Aufgaben, Rollen und Ziele muss das IT-Management heute beachten, dass hier gravierende Veränderungen stattgefunden haben, wie dies in Bild 2 illustriert wird

Neue Aufgaben, Rollen, Ziele und Situationen im IT-Management

Bild 2: Neue Aufgaben, Rollen, Ziele und Situationen im IT-Management

Eine Trennung zwischen CIO und IT-Leitung wird vielfach als notwendig angesehen. Dies kann etwa sinnvoll sein, wenn es sich um große Organisationen handelt bzw. eine Trennung zwischen dem Unternehmen und der IT besteht (IT als Shared Service Center ausgegliedert). Dies kann durch Auslagerung als rechtlich selbstständige Einheit festgelegt sein. In diesem Fall ist der CIO auf der Unternehmensseite (für die Unternehmensführung) der Ansprechpartner für den Leiter des IT-Bereichs. Bei integrierten Einheiten in Unternehmen und Verwaltung ist die Aufgabenstellung IT-Leitung und CIO auf eine Person konzentriert.

Auch die Rolle des CIO befindet sich natürlich in einer permanenten Weiterentwicklung. Dies steht in einem engen Zusammenhang mit organisatorischen Veränderungen im IT-Bereich. Dabei kann generell nach wie vor festgestellt werden, dass sich die IT vom reinen technischen „Bereitsteller“ immer mehr zum Business Enabler entwickelt. Dies hat zur Folge, dass neben dem Erbringen von IT-Services das Steuern dieser Services immer stärker in den Vordergrund tritt. Das hat dann etwa für das IT-Management zur Folge, dass die IT künftig Services für das Business definieren muss und dabei standardisierte und modularisierte IT-Lösungen sowie ein Delivery-, Supply- und Sourcing-Konzept etablieren und nutzen muss.

Erfolgreich kann dies nur dann gelingen, wenn sich das IT-Management sowohl um das ganzheitliche Management von Business- und IT-Prozessen kümmert, als auch gleichzeitig die Steuerung und Koordination der Entwicklungs- und Betriebsleistungen des IT-Bereichs verantwortet. Dies wird unter anderem gestützt durch die Ergebnisse einer Detecon-Studie „IT Organisation 2015 – Facelift oder Modellwechsel?“, die in Zusammenarbeit mit dem Branchenverband Bitkom (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien) erschienen ist.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch eine aktuelle Studie von Forrester (http://www.forrester.com/rb/Research/whats_driving_demand_for_key_it_roles/q/id/56284/t/2). Als wesentliches Fazit der Studie „What‘s Driving Demand For Key IT Roles?“ wird herausgestellt, dass Unternehmen von der Leitung des IT-Bereichs (bzw. den CIOs) erwarten, dass sie für sichere, konsistente und effiziente Prozesse und Services sorgen. Vor allem die Themen Risiko und Sicherheit gewinnen nach Einschätzung der Befragten eine zunehmend hohe Priorität. Des Weiteren erwarten 40 Prozent der Befragten eine wachsende Bedeutung von Projekt-Management, 36 Prozent vertreten darüber hinaus die Auffassung, dass Business-Analysen zu den immer wichtigeren Aufgaben eines IT-Entscheiders gehören. Schließlich werden auch Fragen der IT-Strategieentwicklung und der IT-Planung als wesentliche Aufgaben und Herausforderungen für das IT-Management betont.

Im Wesentlichen raten Forrester-Analysten, dass IT-Leitungen bzw. CIOs ihre Skills in den Bereichen Servicemanagement, Risiko- und Sicherheitsmanagement sowie Enterprise Architecture ausbauen. Darüber hinaus sollten IT-Verantwortliche unbedingt Personen in ihre Teams holen, die sich mit Design und Ausführung von IT-Services und IT-Prozessen auskennen und hier Optimierungen leisten können.

In Tabelle 1 finden Sie abschließend einige Thesen und Beispiele, die im Hinblick auf den künftigen beruflichen Erfolg gerade auch für im IT-Management tätige Personen diskutiert werden und gezielt in praktisches Handeln einfließen müssen.

Fähigkeiten für den persönlichen Erfolg Beispiele/Orientierungshilfen
Visionen
  • Entwickeln Sie eine Vision zur nachhaltigen Ausrichtung des IT-Bereichs (als Business-Enabler etc.); 3 – 5 Jahresperspektive!
  • Prüfen Sie sich daraus ergebende Konsequenzen für zukunftsfähige Technologie- und Personalorientierung!
  • Formulieren Sie klare Ausrichtungen für die Etablierung der IT-Prozesse und das Erbringen der IT-Services!
  • Wichtig für eine Zukunftsorientierung der IT ist die Integration von Business- und IT-Prozess-Verantwortung.
  • Gestalten Sie Ihre eigene Vision; sie ist die Orientierung für das individuelle Handeln im IT-Management!
Prioritäten
  • Setzen Sie Prioritäten! Dies gilt etwa für die Orientierung an Gestaltungsprinzipien sowie für die Auswahl in Portfolios.
  • Zeigen Sie Disziplin und Flexibilität in der persönlichen Planung (dringend oder wichtig?)!
  • Richtungsänderung ist immer mal wieder denkbar (neues Denken)!
  • Selbstmotivation ist der wichtigste Antrieb zum persönlichen Erfolg bzw. zum Erfolg der gesamten IT-Organisation.
Macht
  • Entwickeln Sie Ihren persönlichen Einfluss! Dies gilt sowohl im Unternehmen als auch nach außen.
  • Wissen ist Macht (lebenslanges Lernen als Grundsatz)
  • Intuition nicht vernachlässigen
  • „Scharen“ Sie Freunde um sich, aber vermeiden Sie Cliquenbildung!
Networking und Kommunikation
  • Arbeiten und denken Sie in Netzwerken!
  • Who knows who? (über die verschiedenen Bereiche des Unternehmens hinweg)
  • Beteiligung an Communities (offline und online): Die Beteiligung auch an Social Networks sollten Sie sorgfältig prüfen!
Risikobereitschaft
  • Entwickeln Sie die Fähigkeit, Risiken einzugehen und Verantwortungen zu übernehmen!
  • Neue Technologien rechtzeitig erproben
  • Setzen Sie auf moderne Organisations- und Arbeitsformen!
Kreativität
  • Denken und handeln Sie kreativ! Dies bedeutet insbesondere auch, neuen Ideen – egal, ob sie von externen Experten oder internen Personen kommen – gegenüber aufgeschlossen zu sein.
  • Betreiben Sie ein kontinuierliches IT-Innovationsmanagement; Trendscouts für die IT-Domänen können helfen.
  • Kreative Phasen (etwa in Meetings) bewusst einplanen
Serendipity
  • Nutzen Sie Chancen!
  • Fragen stellen (wer fragt, der führt!)
  • Nicht immer „Nein“ sagen
  • Synergie der 7 Erfolgsfaktoren

Tabelle 1: Orientierungshilfen für erfolgreiches IT-Management

 

Sie suchen nach Hilfen auf dem Weg zur erfolgreichen Inangriffnahme und Umsetzung der Aufgaben und Prozesse im IT-Management? Das im Juli 2013 in 5. Auflage erschienene „Handbuch IT-Management“ bereitet das nötige Wissen zu den verschiedenen Handlungs- und Kompetenzfeldern des IT-Managements in systematischer Form praxisnah und anschaulich auf, stellt die für ein erfolgreiches IT-Management notwendigen Methoden und Instrumente bereit und gibt zahlreiche Anregungen, wie diese auf unternehmensspezifische Praxissituationen transferiert werden können. Nach Durcharbeiten dieses umfangreichen Handbuchs besitzen Sie das fachliche und methodische Know-how, um IT-Managementaufgaben erfolgreich wahrzunehmen. Gleichzeitig erweitern Sie mit dem Lesen des Buches integrativ Ihre sozialen und personalen Kompetenzen, die Ihnen bei dem Entwickeln, bei der Entscheidungsfindung und der Durchsetzung von IT-Lösungen zugute kommen.

 

Alle Autoren vermitteln den Lesern in exzellenter Weise (so dokumentieren es auch neutrale Rezensionen) fundiertes Wissen zu den wesentlichen strategischen und operativen Managementthemen und Führungsaufgaben. So erhalten die Leserinnen und Leser vielfältiges und fundiertes Anwendungswissen zu zahlreichen Managementthemen der „IT-Welt“ (IT-Projektmanagement, IT-Service­management, IT-Qualitätsmanagement, IT-Risiko- und Security-Management, IT-Compliance), erwerben Führungs- und Controllingkompetenz sowie unerlässliche Kenntnisse zu wichtigen IT-Rechtsgebieten. Außerdem können Sie mit dem Durcharbeiten des Handbuchs die Fähigkeit zur Entwicklung von IT-Strategien, die nachhaltige Konzipierung von leistungsfähigen Enterprise Architekturen sowie Know-how zur nachhaltigen Steuerung der IT-Landschaften erwerben (Stichwort „IT-Governance“).

 

Tiemeyer, Handbuch IT-Management, 5. A.

Tiemeyer, Handbuch IT-Management, 5. A.

Ernst Tiemeyer (Hrsg.): Handbuch IT-Management. Konzepte, Methoden, Lösungen und Arbeitshilfen für die Praxis. (5. Auflage)

 Mehr Informationen zum Thema IT-Management im Allgemeinen finden Sie in der aktuellen Ausgabe unseres soeben erschienenen Buches.