Das Treffen der WordPress-Jünger in San Francisco letzte Woche brachte es zutage: Bis zu beinahe 19 Prozent des weltweiten Internets werden mittlerweile mit dem freien, also kostenlosen Content Management System (CMS) betrieben. Stolz kann WordPress damit behaupten, über die erfolgreichste Online-Publishing-Plattform der Welt zu verfügen. Mit einem solchen Content Management System kann man eine eigene Internetseite erstellen und betreiben, also die dortigen Texte einstellen und pflegen, Bilder sowie Videos hinzufügen und vieles weitere mehr. Was sind nun die Vorteile eines derartigen freien Open Source CMS, betrachtet am Beispiel des Marktführers WordPress (http://wpde.org/)? Und warum ist dies gerade auch für Autoren, Journalisten, Freiberufler, Selbstständige und kleinere Unternehmen so spannend?

Noch vor wenigen Jahren war es für diese Zielgruppe sehr teuer, einen eigenen Internetauftritt ins Leben zu rufen und fortlaufend zu pflegen. Das hat sich grundlegend gewandelt:

  • Mit ein wenig technischem Know How und einem guten Einsteigerbuch zum Thema lässt sich WordPress recht einfach und schnell selbst einrichten. Für das zugrunde liegende Webseiten-Design gibt es unzählige ebenfalls frei verwendbare Vorlagen.
  • Nicht „nur“ Blogs (https://de.wikipedia.org/wiki/Blog) lassen sich mit dem CMS umsetzen. Auch sonstige Internetportale, wenn man nicht gerade eine ausgeklügelte Onlineshop-Komponente benötigt. Und doch ist gerade für Autoren, Freiberufler etc. der Magazincharakter eines Blogs – mit seiner regelmäßigen Berichterstattung – das beste Mittel der Wahl, um in der Onlinewelt und in den Suchmaschinen auf sich und die eigenen Projekte aufmerksam zu machen.
  • Auch nach der initialen Einrichtung ist die Bedienung des Content Management Systems äußerst einfach. Beiträge erstellen, formatieren, veröffentlichen und im Nachhinein ändern, das lässt sich schnell erlernen. Somit benötigt man heutzutage keinen externen und kostenintensiven Dienstleister mehr, der die fortlaufende inhaltliche Pflege übernimmt.
  • WordPress benötigt keinen speziellen und damit teuren Onlinespeicherplatz (das sogenannte Webhosting, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Webhosting). Eine einfache Lösung für ab 10 Euro monatlich reicht hierfür meist völlig aus.
  • Unter WordPress.com (http://wordpress.com/) kann man sich gar völlig kostenfrei ein eigenes Portal einrichten. Dies hat – zumindest in der Basisversion – dann jedoch keine eigenständige Internetadresse der Art www.meineadresse.de, ist nicht ganz so flexibel zu erweitern wie bei einem eigenen Webhosting, und man macht sich abhängig von einem (US-amerikanischen) Dienstleister. Gerade der letzte Punkt behagt angesichts der aktuellen Datenschutz-Debatte nicht Jedermann, selbst wenn hinter WordPress.com ein etablierter Anbieter steckt.

Unzählige kostenlose oder sehr preisgünstige Erweiterungsmodule (sogenannte „Plugins“, etwa für die Einbindung von Werbeanzeigen, interaktiven Elementen wie Videos, den Newsletterversand, ein eigenständigeres Erscheinungsbild des Portals etc.) machen WordPress in seiner selbst gehosteten Variante ebenso attraktiv, wie die große Nutzergemeinde, die Neueinsteigern gegenüber sehr offen und hilfsbereit ist. Diese WordPress-Gemeinde trifft sich auch hierzulande auf regelmäßig und bundesweit angebotenen Veranstaltungen, bei denen man sich gegenseitig Tipps und Hilfestellung für den eigenen Internetauftritt und dessen Erweiterung gibt (siehe beispielsweise http://wpmeetups.de/ und http://wpcamp.de/).

Doch es gibt auch ein paar Nachteile des beliebten freien CMS, die man kennen und berücksichtigen sollte:

  • Ist man technisch wenig begabt, so benötigt man meist die Unterstützung eines Dienstleisters, der zumindest die erste Erstellung einer WordPress-Internetseite übernimmt. Diese Dienstleister sind aufgrund des WordPress-Booms hierzulande recht rar gesät (Siehe den Beitrag unter http://www.blogprofis.de/engpass-oder-schon-notstand-gute-wordpress-dienstleister-verzweifelt-gesucht/7003/). Und damit nicht einfach aufzufinden, sowie nicht ganz günstig. Doch das gilt für alle anderen CMS gleichermaßen.
  • Der Erfolg von WordPress lässt zugehörige Seiten den vermehrten Angriffen von Internet-Kriminellen aussetzen. Diese versuchen immer öfter, sich Zugang zu auf WordPress basierenden Portalen zu verschaffen, um dort Schadsoftware oder ähnliches zu hinterlegen. Hier sollte man – wieder mit technischem Grundwissen – selbst für Abhilfe sorgen können (siehe http://playground.ebiene.de/adminbereich-in-wordpress-schuetzen/), oder eben einen guten Dienstleister bzw. einen befreundeten Blogger hierfür parat haben.
  • Auch das aus Sicherheitsgründen regelmäßig vorzunehmende Update auf neue WordPress-Versionen ist für weniger technisch Begabte nicht in jedem Fall geeignet. Zudem müssen vorhandene Erweiterungen ebenfalls regelmäßig auf ihre fortlaufende Tauglichkeit und Aktualität hin überprüft werden.
  • Wer ein vollkommen eigenständiges Webseiten-Design haben möchte, der wird nicht rein auf vorgefertigte WordPress-Designs (sogenannte „Themes“) zurückgreifen können. In diesem und dem vorangegangenen Punkt ist dann ebenfalls professionelle Hilfe erforderlich.
  • WordPress eignet sich – vereinfacht dargestellt – meist nicht für Webseiten mit sehr rechenintensiven bzw. datenbanklastigen Erweiterungen, hochkomplexe und extrem umfangreiche Portale, Webseiten mit besonderer Anforderung an Geschwindigkeit und Sicherheit (etwa im Finanzwesen) sowie – bereits angedeutet – auch nicht für ausgeklügelte Onlineshops.

Und selbst wenn man sich bei WordPress unzähliger kostenloser Erweiterungen bedienen kann, die teilweise tolle Funktionalitäten bieten, so verbergen sich auch hierunter vereinzelt „schwarze Schafe“. Oder aber veraltete, gegebenenfalls sicherheitsrelevante Technologie. Hier hilft ab und an das Ausweichen auf eine kostenpflichtige Erweiterung, wenn möglich aus dem deutschsprachigen Raum, sowie das gute Studieren von Bewertungen oder Empfehlungen anderer Nutzer zu den einzelnen Plugins, Themes etc.

Fazit

Ich persönlich kenne zahlreiche Freiberufler, Selbstständige und ähnliches mehr, die sich selbst absolut nicht als technische Experten bezeichnen würden, und dennoch mit WordPress als Content Management System sehr zufrieden sind. Macht ein solches freies System doch nicht nur unabhängiger, es schont auch noch den (nicht selten knappen) Geldbeutel von Selbstständigen und Kleinunternehmern. Und: Der Austausch in der WordPress-Community macht nicht nur großen Spaß, er sorgt gleichzeitig für zahlreiche wertvolle Kontakte, die in ihrer Wirkung weit über die reine Technik hinausgehen. Wie schaffe ich es, mehr und die richtigen Besucher für meine Internetseite zu gewinnen? Wie binde ich mein Portal an die immer wichtiger werdenden sozialen Netzwerke an? Was hat es mit der Suchmaschinenoptimierung und dem Onlinemarketing auf sich? Auch solche Fragen werden mehr und mehr in der WordPress-Gemeinschaft diskutiert und gemeinsam erfolgreich umgesetzt.

Soweit ein erster grober Überblick über die Vor- und Nachteile von WordPress.

Weitere Fragen zu dem System und seiner Eignung für einen neuen oder abzulösenden Internetauftritt können gerne in den Kommentaren unterhalb dieses Beitrags gestellt werden.