jommla! und contao

joomla! und contao – David Jardin und Thomas Weitzel

Pünktlich zur DMS Expo, der Fachmesse für Business-IT, die morgen in Stuttgart beginnt, sprechen wir mit Thomas Weitzel und David Jardin über freie Content-Management-Systeme.

Beide Hanser-Autoren sind auf der DMS Expo vor Ort, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, den Interessenten mit einer Fülle an vorgestellten Lösungen, den Vergleich der Systeme zu ermöglichen. Am CMS-Garden-Stand in Halle 5 Stand A51 können Sie die Autoren auch „in echt“ treffen, Thomas Weitzel bereits heute und David Jardin morgen.

 

Lieber Herr Weitzel, Sie sind morgen als „Botschafter“ für Contao auf der DMS Expo zu Gange. Stellen Sie sich bitte kurz vor und verraten uns, was Sie genau beruflich machen?

Hallo, ich bin Thomas Weitzel, Diplom-Designer, und arbeite seit fast 20 Jahren als selbständiger Designer und Dozent mit eigenem Büro in Stuttgart (weitzeldesign.com).

 

Nachdem unsere Leser ja schon wissen dass Sie ein sich sehr gut mit Contao auskennen, nun die Frage, wie Contao und Sie Freundschaft geschlossen haben?

Nach vielen Tests und Versuchen der unterschiedlichen bekannten Open Source CM-Systeme habe ich 2006 TYPOlight entdeckt, das ab Mai 2010 als Contao CMS bekannt ist. Seit diesem »Kennenlernen« bin ich bei diesem CMS geblieben.

 

…und haben ganz nebenbei gesagt, nun auch ein neues Buch zu Contao geschrieben…

Ja, das stimmt, es erscheint aber leider erst Anfang November!

 

David Jardin hat ebenfalls ein Buch zu CM-Systemen, genauer zu Jommla! 2.5, geschrieben, und zwar bereits im April letzten Jahres. Seit gestern können Sie auch auf unserem Blog lesen, wie er die Versionsstrategie von Joomla! erklärt.

 

Lieber Herr Jardin, auch Sie sind Spezialist im Bereich CMS, und haben bereits eine eigene Firma für Webdesign und Webentwicklung in Köln?

Ja, ich bin 23, lebe und arbeite in Köln und bin Inhaber von djumla, einer Firma für Webdesign und Webentwicklung. Ich habe mich auf komplexe Systeme rund um das Content-Managment-System Joomla! Spezialisiert, bin auch selber in der Community sowie in der Entwicklung des Systems aktiv.

 

Und wie ich erfuhr auch darüber hinaus in Sachen Joomla! engagiert…

Sie sind gut informiert: Ich bin im Vorstand des deutschen Joomla!-Vereins „Mambo e.V.“ und organisiere die deutschsprachige Joomla! Konferenz „Joomla!Day“.

 

Nutzen Sie auch weitere CM-Systeme?

Neben Joomla! nutze ich für kleinere Webprojekte noch das freie System modX das ist Deutschland aber wesentlich weniger verbreitet ist als Joomla.

 

Nun eine spannende Frage an Sie beide: Welche Stärken und Schwächen haben Contao und Joomla!? Herr Weitzel, fangen Sie an?

Neben den Funktionen, die Contao standardmäßig mitbringt, wie News- und Eventfunktionen und Newsletter, liegen die Stärken in der einfachen Anpassbarkeit der Templates – einfache HTML- und PHP-Kenntnisse helfen weiter – und der großen Flexibilität im Aufbau einer Website. Kleine wie auch sehr große, mehrsprachige Websites lassen sich so realisieren.

Vertreten Sie daher die Meinung, Contao sei auch überall einsetzbar?

Naja fast; Contao eignet sich für engagierte Laien und absolute Profis. Der Grund dafür ist die gut durchdachte Systemstruktur die einen sehr flexiblen Einsatz des CMS ermöglicht. Dadurch kann man mit Contao eine kleine Vereinsseite genauso umsetzen, wie eine hoch komplexe und vielbesuchte Konzern-Website.

Und wie steht es mit Joomla!?

Der Vorteil von Joomla ist schnell erklärt: das System erlaubt es mir, mit relativ überschaubaren Kenntnissen ein Websiteprojekt umzusetzen, dass durch die vielen tausend verfügbaren Erweiterungen quasi beliebig in der Größe und Funktionalität skalierbar ist. Anders als andere Systeme, die sich eher auf eine bestimmte Art von Website spezialisiert haben, ist Joomla flexibler angelegt und erlaubt von der Web-Visitenkarte bis hin zum Firmenportal quasi alles, ohne dass man das Gefühl bekommt das Joomla hier „an Grenzen kommt“. Außerdem wird Joomla nicht von EINER Person bzw. EINER Firma entwickelt, sondern das System wird von einem unabhängigen Verein getragen und ausschließlich von Freiwilligen entwickelt – damit heben wir uns in der „Project Government“ von vielen anderen System ab. Weiterhin wurde Joomla vor einigen Jahren komplett von Grund auf neu geschrieben, wodurch der Code von Altlasten befreit und massiv entschlackt werden konnte. Die Entwickler haben dabei ein eigenes Framework entwickelt, das als Basis für eigene Joomla-Erweiterungen fungiert, unheimlich flexibel und zugleich sauber ist – da macht arbeiten Spaß!

Bei den Nachteilen ist wohl zu sagen, dass Joomla von Haus aus einige der klassischen Funktionen aus dem Enterprise-Bereich vermissen lässt. Themen wie Multisite und Workflow sind zwar über Dritterweiterungen nachrüstbar, oftmals sind das aber nur Behelfslösungen die nicht wirklich glücklich machen. Außerdem gibt es durch die verwendete Grundstruktur (Trennung von Menü- und Inhaltsstruktur) einige Fallstricke beim Erlernen, die man erstmal durchschauen muss um Joomla wirklich voll nutzen zu können.

Daher ist Joomla! besonders geeignet für kleine und mittlere Unternehmensseiten, Portale, Community-Seiten, private Projekte aller Art.

… also ein kleiner Unterschied zwischen den eben beschriebenen Einsatzmöglichkeiten…

 

Nun noch meine letzte Frage für heute: Worauf müssen sich Kunden bei der Entscheidung für ein CMS einstellen? Herr Jardin, beginnen Sie?

Jedes System hat seine Eigenheiten und eignet sich für bestimmte Bereiche besser oder schlechter. Agenturen und Freelancer, die ein einzelnes System als die eierlegende Wollmilchsau verkaufen würde ich persönlich eher misstrauen – denn obwohl sich natürlich jedes Projekt mit jedem System umsetzen lässt, ist es oftmals wirtschaftlicher für bestimmte Projekte auch mal jenseits des „normalen“ System zu schauen, mit dem man sonst arbeitet.

Und Sie, Herr Weitzel, was können Sie ratsuchenden Kunden mitgeben?

Sinnvoll ist es, die aktuellen und soweit planbar, die kommenden Anforderungen an ein CMS zu definieren. Auf dieser Basis kann ein Kunde eine Entscheidung treffen und sich für ein CMS entscheiden. Neben toll klingenden Features am Anfang sind dann im Praxisbetrieb meist die »einfachen« Dinge relevanter. Dazu gehören mit Sicherheit die einfache Bedienbarkeit durch Redakteure, die einfache Pflege als Administrator sowie sicher auch keine bis sehr wenige bekannte Sicherheitslücken. Zudem ist für einen professionell agierenden Kunden wichtig, dass er im Falle eines Dienstleisterwechsels nicht vor dem nichts steht und auf ein Netzwerk von Partnern und Agenturen zurückgreifen kann.

Herzlichen Dank für die Unterhaltung und viel Spaß & Erfolg auf der DMS Expo!

 

Weitere Informationen zu Joomla! finden Sie in David Jardins Joomla! 2.5. Den druckfrischen Band von Thomas Weitzel zu Contao Contao für Webdesigner gibts ab Anfang November im Handel!