noch kurz vor den SOPHIST DAYS 2013, der Fachkonferenz für Requirements Engineering, die am 05. & 06. November in Nürnberg stattfindet, haben wir die Chance nutzen können, Chris Rupp zu Requirements Engineering und dem großen Thema Agilität zu interviewen.

Chris Rupp ist Autorin des Buchs „Requirements Engineering und -Management“, welches sich insbesondere durch den Ruf als „RE-Bibel“ schon in der 5ten Auflage befindet.

Die HANSER-Autorin ist für ihre Methoden und Entwicklungen im Requirements Engineering bekannt und als Speaker auf internationalen Konferenzen ständig unterwegs. Außerdem ist sie „fast nebenher“ noch Geschäftsführerin der SOPHIST GmbH, einem Beratungs- und Trainingsunternehmen in Nürnberg.

 

Frau Rupp, wir haben schon ein bisschen was über Sie verraten, aber vielleicht möchten Sie sich kurz selbst vorstellen und uns mit einfachen Worten erklären, was Sie als „Requirements Engineer“ genau machen?

Das Ziel eines Requirements Engineer ist es die Anforderungen, aller Stakeholder zu erfassen und untereinander abzugleichen. Stakeholder eines Projektes sind mehr als nur die späteren Nutzer. Dazu gehören auch Personengruppen, wie das Entwicklungsteam, die Inbetriebnahme, die Wartung, das Vertriebsteam, aber natürlich auch all die verschiedenen Nutzer des Systems. Ziel ist es ein optimales Set an Anforderungen zu erhalten, um anschließend ein System beauftragen oder bauen zu können, das möglichst alle glücklich macht. Dass das eine schier unmögliche Aufgabe ist, sollte jedem klar sein.

Das hört sich sehr speziell an. Ist das Thema RE wirklich so wichtig? Wer braucht das denn bzw. wer sind Ihre Kunden?

Requirements Engineering wird immer dann wichtig, wenn noch nicht genau klar ist, was ein System wirklich leisten soll. An sich gibt es da genau zwei typische Problemstellungen. Einerseits müssen oft neue Funktionalitäten erfunden werden, die am Markt für Begeisterung sorgen, weil man die unbewussten Wünsche der Menschen damit erfüllt. Andererseits kämpfen wir oft an der Ablösung von Altsystemen. Die Anforderungen, die diese Systeme abdecken, sind oft in Vergessenheit geraten. Hier gilt es Selbstverständliches zu Tage zu fördern und zu beschreiben, aber auch Vergessenes auszugraben. Der eher banale Normalfall ist das Abfragen der bewussten Wünsche, die Stakeholder haben. Aber das ist die einfachste Aufgabe und immer Teil des Requirements Engineering.

Wahnsinn, das heißt, ohne RE geht es im Projekt-Bereich gar nicht.

An sich nicht. Außer derjenige, der das System baut, weiß umfassend und genau, was alle Stakeholder wünschen und bekommt das konfliktfrei im Kopf abgeglichen.

Frau Rupp, wie wir bereits wissen, sind Sie viel auf internationalen Konferenzen unterwegs. Ist RE denn auch global ein Thema oder nur in Europa?

Requirements Engineering ist vor allem in den Ländern ein Thema, in dem die Auftraggeber (also die Fachexperten) sitzen. Die sind typischerweise die Anforderer. Länder, in denen auf Grund der günstigen Löhne und des niedrigeren Qualifikationsgrades nur implementiert oder getestet wird, sind heute noch nicht an RE interessiert. In Ländern wie z.B. Brasilien, Indien, Malaysien erlebt RE derzeit allerdings einen enormen Aufstieg.

Frau Rupp, Sie haben die SOPHIST DAYS 2013 als Nachfolgekonferenz für Ihre ehemalige Konferenz  Requirements Days ins Leben gerufen. Nun gibt es ja schon einige Konferenzen, die das Thema RE behandeln. Warum also die SOPHIST DAYS?

Wir SOPHISTen haben einen sehr hohen Anspruch, was Konferenzen betrifft. Dementsprechend gibt es für unsere Konferenzen auch keinen Call for Papers, sondern alle Speaker sind handverlese Experten. Wir kennen sie alle, sind von ihrer Kompetenz überzeugt und wissen, dass sie gute Vortragende sind. Wir wollen unsere Besucher nicht mit schlechten Vorträgen oder unqualifizierten Speakern quälen. Zudem sind die SOPHIST Days so etwas wie das Familientreffen der qualifizierten RE-Gemeinde.

Wenn man sich das Programm der SOPHIST DAYS genauer anschaut, dann stolpert man immer wieder über den Begriff „Agilität“. Was versteht man darunter?

Requirements Engineering ist eine Disziplin, die in allen Vorgehensmodellen ihren Platz hat. Wie RE im V-Modell oder im RUP zu leben ist, ist hinreichend diskutiert und bekannt. Wie genau RE im Kontext von Scrum oder anderen agilen Vorgehensweisen gelebt werden sollte, ist aktuell heiß diskutiert. An dieser Stelle bringen wir Licht ins Dunkel.

Dann ist also „Agilität“ ganz neu?

Nein, bei weitem nicht. Mein erstes Buch zum Thema RE bzw. UML und Agilität habe ich im Jahr 2002 zusammen mit Peter Hruschka geschrieben. Agilität hat in den letzten Jahren nur wesentlich mehr Sichtbarkeit auf dem Markt gewonnen, was ich sehr begrüße.

Apropos Bücher: Die fünfte Auflage Ihres Buchs Requirements Engineering und Management hat insbesonders wegen des speziellen Layouts für Gesprächsstoff gesorgt.

Ja, wir haben das Buch grafisch sehr stark aufgepeppt und gehirngerecht aufbereitet. Viele Leser waren absolut begeistert. Einige waren allerdings auch ganz traurig und waren etwas entsetzt darüber, wie wir aus der RE-Bibel einen Comic machen könnten. Am besten, sie bilden sich selbst eine Meinung.

Man munkelt, dass es irgendwann eine stark überarbeitete Auflage geben soll. Dürfen Sie uns hierzu schon etwas verraten?

Ich kann Ihnen aktuell noch nicht allzu viel verraten. Es wird eine überarbeitete 5.Auflage geben. Wann diese allerdings fertig und im Handel erhältlich sein wird, kann noch etwas dauern.

Dann lassen wir uns einfach überraschen! Herzlichen Dank für das Interview, Frau Rupp!

 

Um die Zeit des Wartens bis zu den Sophist Days 2013 zu überbrücken, verlosen wir hier 5 von Chris Rupp signierte Exemplare von Requirements-Engineering und -Management. Professionelle, iterative Anforderungsanalyse für die Praxis. 5. Aufl.!

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Gewinnfrage: Welcher Begriff kommt im Zusammenhang mit den SOPHIST DAYS 2013 neben Requirements Engineering immer wieder auf?

Rupp, Requirements Engineering, 5.A.

Rupp, Requirements Engineering, 5.A.

 

 

 

 

 

 

 

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