Erfahrungen aus der Praxis und zahlreiche Studien zeigen, dass IT-Projekte zu einem nicht unerheblichen Teil scheitern (erheblicher Zeitverzug, Kostenauswüchse, qualitativ unzureichende Ergebnisse). Das ist ein untragbarer Zustand, der – das dokumentieren ebenfalls vielfältige Erfahrungen – nicht sein muss.

Zwei grundlegende Ansatzpunkte aus dem Projektmanagement bieten eine Chance, die Anzahl der „gescheiterten“ IT-Projekte erheblich zu reduzieren. Die Grundsätze bekannt „to do the right things“ und „to do the things right“) sind zwar seit Jahrzehnten ist eine bekannte, hilfreiche Orientierung, aber sie werden in der Praxis nicht wirklich konsequent umgesetzt. Das muss sich ändern:

Moegliche_Bewertung_gelaufener_IT_Projekte

Ein erster Lösungsweg aus dem Dilemma besteht darin, dass verstärkt Einfluss darauf zu nehmen, dass in der Unternehmenspraxis ein ausgewogenes Portfolio der IT-Projekte erstellt wird („die richtigen IT-Projekte machen“).

  • Ein darauf aufsetzender Weg besteht dann darin, die IT-Projekte „richtig“ zu machen. Dies bedeutet, eine abgestimmte Vorgehensweise (möglichst unter Anwendung bewährter Vorgehensmodelle) sowie eine ganzheitliche Planung und Steuerung der Projekte

So finden Sie die „richtigen IT-Projekte“!

Neben der Ableitung der wesentlichen IT-Projekte aus der vereinbarten IT-Strategie ist parallel eine Orientierung und Vereinbarung notwendig, dass die vorgelegten Projektideen (Projektskizzen) sowie die Projektanträge einem mehr oder weniger geregelten Bewertungsverfahren unterzogen werden. Dabei sind verschiedene Kriterien für die Bewertung heranzuziehen, die den Beteiligten auch transparent sind. In einem Entscheidungsgremium (beispielsweise dem Project Advisory Board = PAB) müsste dann eine nachvollziehbare Auswahl über die Durchführung getroffen werden.
In vielen Unternehmen – so wohl auch bei Ihnen – wird über die Durchführung von IT-Projekten vereinbarungsgemäß durch ein ausgewähltes Gremium entschieden (beispielsweise von einem Project-Advisory-Board = PAB). Typisch ist dabei: es gehen unterschiedliche Projektideen ein, und es müssen mehrere IT-Projekte parallel umgesetzt werden. Deshalb ist eine Bewertung und Priorisierung von Projektanträgen sowie eine laufende Begleitung der in Durchführung befindlichen IT-Projekte notwendig.

Welche Kriterien sollten Sie für das Finden der „richtigen“ IT-Projekte berücksichtigen?

Kriterien        Hinweise / zu klärende Fragen
Strategische Bedeutung des IT-Projekts
  • Wie relevant wird das geplante Projekt aus strategischer Sicht eingeschätzt?
  • Ist das IT-Projekt innovativ, um das Unternehmen zukunftsfester zu machen?
  • Trägt das IT-Projekt zur Erreichung der strategischen Zielsetzungen bei und ermöglicht die Lösung eine nachhaltige Anwendung?
Wirtschaftlich-keitsbeurteilung (ROI, Nutzwert)
  • Wie hoch sind die Einmal- und laufende Kosten während der Projektlaufzeit? Ist die finanzielle Machbarkeit gegeben?
  • Welche Auswirkungen ergeben sich für die Kosten-/Nutzensituation nach der Einsatzphase der Projektergebnisse?
Projektrisiko (Beherrschbarkeit der Aufga­benstellung)
  • Ist der Innovations- und Komplexitätsgrad des Projekts beherrschbar?
  • Stehen ausreichende IT-Experten für die Entwicklungs- und Integrationsarbeit bereit und ist auch die notwendige personelle Unterstützung durch die Fachbereiche gegeben?
Kundenorientierung
  • Nimmt das IT-Projekt die Anforderungen der Kunden auf, so dass eine hohe Kundenzufriedenheit erwartet werden kann?
  • Sind die Rahmenbedingungen für das Projekt gegeben, dass eine hohe Produktqualität der Projektergebnisse gewährleistet ist?

Im nächsten Teil der Blogserie werden die Verfahren vorgestellt, die Ihnen helfen, die „richtigen“ IT-Projekte zu finden. Bleiben Sie dabei!

Weitere Informationen zum  Thema finden Sie auf der Buchseite Handbuch IT-Projektmanagement. Vorgehensmodelle, Managementinstrumente, Good Practices.

Tiemeyer, IT-Projektmanagement, 2.A.

Tiemeyer (Hrsg.), IT-Projektmanagement, 2.A.

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