Interview mit Andreas Brandhorst über den Wissenschafts-Thriller von Tom DeMarcoIm Juni haben wir bereits ein erstes Interview mit Andreas Brandhorst geführt. Zu dieser Zeit übersetzte er gerade den Wissenschafts-Thriller von Tom DeMarco „Als auf der Welt das Licht ausging“. Nun, nachdem seine Übersetzung bei Hanser erschienen ist, freuen wir uns sehr, unser Interview mit ihm fortzusetzen.

Redaktion: Herr Brandhorst, schön, dass Sie sich wieder Zeit für ein weiteres Interview genommen haben. Die Übersetzung des Wissenschafts-Thrillers von Tom DeMarco ist vor ein paar Wochen bei Hanser unter dem Titel „Als auf der Welt das Licht ausging“ erschienen. Sie haben uns ja bereits in ersten Teil unseres Interviews verraten, dass es ein spannender Schmöker werden würde, in dem man ‚so richtig schön eintauchen‘ könne. Zum Zeitpunkt unseres Interviews im Juni hatten Sie gut zwei Drittel des Buches übersetzt. Wie ging es denn weiter? Ist das letzte Drittel ebenso spannend?

Andreas Brandhorst: Es bleibt nicht nur spannend, es wird sogar noch spannender, und der menschliche Aspekt spielt die zentrale Rolle. Die Figuren wachsen aus dem Buch heraus, scheinen zu realen Menschen zu werden. Man denkt und fühlt mit ihnen. Man möchte wissen, wie es mit ihnen weitergeht.

Wie liest sich das Buch? Sind die Erklärungen des Autors, gerade wenn es um komplexe Sachverhalte geht, leicht verständlich?

Das Buch liest sich sehr glatt und flüssig. Der Autor übertreibt es nicht mit wissenschaftlichen Erklärungen – sie kommen an den richtigen Stellen und sind immer verständlich, auch für Leser ohne besondere Vorkenntnisse. Übrigens sind die Erklärungen so gut und glaubhaft, dass ich immer wieder recherchiert habe, um herauszufinden, ob die wissenschaftlichen Grundlagen tatsächlich existieren.

Hat sich bei Ihnen während des Lesens eine Lieblingsfigur im Buch herauskristallisiert?

Insbesondere angetan hatten es mir Keesha und Adjouan (siehe 22. Kapitel), die zwar in dem Sinne keine Hauptrolle spielen, aber sehr menschlich sind. Und dann natürlich Loren und Kelly, die ebenfalls sehr lebendig sind: Sie stehen vor einem, wenn man liest; sie scheinen einem über die Schulter zu schauen. Auch die anderen Personen haben ein sehr deutliches Profil und sind wahre Individuen, jede mit ihre eigenen kleinen Besonderheiten.

Und  wie viel Realitätsbezug lässt sich Ihrer Meinung nach aus dem Buch ableiten?

Ich halte Als auf der Welt das Licht ausging für einen sehr realistischen Roman, sowohl was die politischen Konstellationen angeht, insbesondere das Agieren von Politikern und Militärs, als auch in Hinsicht auf den menschlichen Aspekt. Er schildert eine Welt, die durch eine bestimmte wissenschaftliche Entdeckung und ihre technische Umsetzung plausibel geworden ist, und in dieser Welt begegnen wir realistischen Personen.

Wenn Sie das Buch kategorisieren wollen würden, in der Tradition welches Autors würden Sie dann das Buch zuordnen oder sehen?

Interessante Frage. Als ich das Buch vor der Übersetzung gelesen habe, war ich sofort vom menschlichen Aspekt der Geschichte beeindruckt, von der Lebendigkeit der Figuren und ihren Wechselwirkungen mit den Ereignissen. Später beim Übersetzen hat sich dieser Eindruck verstärkt, und ich fühlte mich an etwas erinnert, an ein ähnliches Gefühl beim Lesen, das ich mit den Werken von Mark Twain verbinde: Man nehme das Buch, lehne sich zurück und tauche ein in eine fremde Welt, die mit jeder Seite vertrauter wird.

Na das klingt ja überzeugend! An welchem Projekt arbeiten Sie aktuell?

Nach dem Abschluss meines Romans Ikarus, der im nächsten Jahr bei Heyne erscheint, bereite ich derzeit einen neuen Roman vor, der wieder Science Fiction sein wird und jede Menge sensor of wonder vermitteln soll. Es ist ein großes, ambitioniertes Projekt, das viele Recherchen und reichlich Gedankenarbeit erfordert.

Woher nehmen Sie die Kreativität, wie tanken Sie neue Inspiration? Was ist Ihr Geheimrezept für’s Schreiben und Übersetzen?

Die Augen offenhalten, aufmerksam hinsehen, nachdenken, Gewohntes infrage stellen, das Außergewöhnliche und Absurde für möglich halten, alles für möglich halten … Daraus wachsen Ideen. Und: Man nehme das Leben und stelle sich die Was-wäre-wenn-Frage. Übrigens kommen mir die besten Ideen und Einfälle beim täglichen Laufen, wenn der Körper arbeitet und sich der Geist entspannen darf.

Ja, das ist eine sehr gute Herangehensweise, die zugleich gesund erhält. Herzlichen Dank für dieses zweite Interview und viel Erfolg bei Ihrem neuen Science Fiction-Roman!

Sehen Sie auch das Video von Tom DeMarco zum Buch:

DeMarco, Als auf der Welt das Licht ausging Wenn Sie mehr über das Buch wissen möchten, schauen Sie doch auf der Buchwebsite Als auf der Welt das Licht ausging vorbei.