vorgestellt! Richard Seidl

In diesem Interview dreht sich alles um Richard Seidl, Experte für Software-Test und Mitautor des Buches „Agile Testing. Der agile Weg zur Qualität“! Sie kennen ihn schon über seine Beiträge Tester vs. Technical Debt, das Interview zu den Agile Testing Days und zuletzt durch die 5 Fragen – 5 Antworten zu Software Testing. Freuen Sie sich diesmal auf einen ganz persönlichen Beitrag von und mit ihm.

 

Was motiviert Sie, ein Buch zu schreiben?

Meine Motivation für meine Bücher und Texte liegt im Teilen von Wissen. Ich erlebe täglich, welche Erfolge, Synergien und Entwicklungen in Gang kommen, wenn man Wissen mit anderen austauscht. Das nehme ich sowohl in Entwicklungsteams, Unternehmen und auch gesellschaftlich wahr. Und da ich viel Wissen konsumiere ist es für mich nur logisch, mein Wissen auch weiterzugeben. Ein weiterer Antrieb für mich ist die fokussierte Auseinandersetzung mit einem Thema. Es noch einmal von verschiedenen Seiten zu beleuchten und zu hinterfragen; mich mit anderen dazu auszutauschen und Meinungen dazu zu diskutieren – das bringt mich immer auch inhaltlich weiter.

 

Warum liegt Ihnen das Thema am Herzen?

Mein letztes Buch handelte vom Testen im agilen Umfeld. Die Ideen hinter Agilität sind für mich ein wesentlicher Schritt zu einer Neuorganisation, um die wir in vielen Lebensbereichen nicht herumkommen werden. Warum? Weil wir in aufregenden Zeiten leben! Die Welt um uns herum verändert sich immer schneller – mehr als uns das manchmal lieb ist; Technologien entwickeln sich rasant weiter. Die Crux ist, dass diese Entwicklung in den meisten Bereichen mehr exponentiell als linear verläuft. Das strapaziert unsere Vorstellungskraft und so projizieren wir die letzten 10 Jahre auf die nächsten 10 und das beruhigt uns ein bisschen. Der Punkt ist, wir haben keinen Schimmer was uns in 10 Jahren erwartet – sei es in der Berufswelt, gesellschaftlich, ökologisch oder sonst wo. Aber es sieht so aus, als ob Veränderungen und unerwartete Impacts zunehmen werden. Ich finde das aufregend und stelle mir die Frage, wie ich damit umgehen kann. Schockstarre oder Resignation wären für mich ungünstige Begleiter. Und hier kommt das agile Mindset ins Spiel. Offen für Veränderung sein, eine kollaborative Denkweise, die Flexibilität und schnelle Reaktionsmöglichkeit – all das sind Strategien, die ich aktuell für die Zukunft als nützlich erachte. So ist Agilität für mich primär Kopfsache. Wenn die Haltung und innere Einstellung nicht da sind, kann ich auch mit agilen Methoden und Good Practices nur schwer Erfolge erzielen. (Meiner Meinung nach auch ein Grund für viele gescheiterte Projekte – keiner möchte wirklich, aber weil es der Prozess so vorschreibt stellt man sich täglich 15 Minuten zusammen).

Das Spannende aber ist: Wenn ich diese Haltung einnehme, kann ich die agilen Methoden in allen Lebensbereichen anwenden und so flexibler, resilienter und gelassener werden – ob im Familienleben, bei Hobbies oder der Lebensgestaltung. Veränderungen in meinem Umfeld stressen mich weniger und sind vielleicht sogar der Samen für etwas Neues.

Agilität ist zurzeit ein wichtiger Teil meines Werkzeugkastens, der mir in vielen Kontexten hilft. Aber auch das wandelt sich und ich halte nichts davon, agile Methoden – ob in Softwareprojekten oder im täglichen Leben – zu glorifizieren. Sie sind ein wichtiger Schritt, aber es geht weiter. Ob wir sie in ein paar Jahren noch so nennen oder andere Konzepte verfolgen? Wer weiß.

In Summe ist es das, was mir am Herzen liegt: Menschen, Teams und Unternehmen dieses Mindset erfahren zu lassen und sie zu inspirieren, sich weiterzuentwickeln. Agilität ist dazu ein guter Zugang.

 

Wie sieht Ihr typischer Arbeitsablauf an Ihrem Manuskript aus?

Ich arbeite am liebsten in der Natur. Hier komme ich am schnellsten in einen Schreibfluss, um aus der ersten Gliederung Absätze, aus den Absätzen Kapitel zu gestalten. Ich schreibe ausschließlich in elektronischer Form, Papier nutze ich zum Skizzieren und für Mindmaps. Sowohl am Rechner als auch am Arbeitsplatz ist mir während des Schreibens Fokussierung extrem wichtig. Mail, Telefon, etc. aus und am besten einen reinen Texteditor – ich nutze dazu Ulysses. Ich schreibe meistens 1/2 bis 1 1/2 Stunden am Stück, dann ist wieder genug und Pause.

 

Was hat Ihnen am Schreibprozess des letzten Buchprojektes besonders gefallen und was würden Sie das nächste Mal anders machen?
Für mich ist der schönste Moment im Schreibprozess wenn ich in den Flow komme und meine Gedanken ohne Unterbrechung einfach runterschreiben kann. Und das ist es auch, was ich in Zukunft verbessern möchte: Ich lasse mich im Schreibfluss manchmal von Rechtschreibfehlern, etc. aufhalten und beginne dann nachzuschlagen – was zu diesem Zeitpunkt eigentlich gar nicht nötig wäre. Ansonsten fühle ich mich in meinem Schreibprozess aktuell wohl.

 

Planen oder schreiben Sie bereits an einem neuen Buch?

Ich sammle laufend Ideen, Absätze und Gedanken – daraus formt sich auch gerade die Idee für ein neues Buch.

 

Dann bleibt es also spannend, vielen Dank für die Einblicke und viel Erfolg bei der Umsetzung der Buchidee!