Steppan_vorgestellt!In diesem Interview dreht sich alles um Bernhard Steppan, Experte für Java und Autor des Buches „Eclipse Rich Clients und Plug-ins“, das gerade erschienen ist! Freuen Sie sich auf einen ganz persönlichen Beitrag von und mit ihm.

Herr Steppan, Sie sind Java-Entwickler der ersten Stunde, erfolgreicher Autor von C++ und Java-Büchern und arbeiten als Berater und IT-Architekt. Wo hatte Ihre Begeisterung für Java ihren Ursprung und wie kam es zur Spezialisierung auf Eclipse?

Oh, das muss ich aber etwas ausholen. Ich habe für meine Diplomarbeit ein Computerprogramm für Ärzte entwickelt, das damals noch unter dem Betriebssystem MS-DOS lief, aber schon eine grafische Oberfläche besaß.

Dieses Programm sollte später auf andere, modernere Betriebssysteme wie Windows und Mac OS portiert werden. Ich habe mich daraufhin sehr intensiv mit IT-Architekturen und der Portierung von Programmen beschäftigt. Danach habe ich mich entschieden, zur Portierung C++-Frameworks einzusetzen. Das war lange vor dem Erscheinen von Java.

Mit den verfügbaren C++-Frameworks war es zwar viel leichter, Desktop-Programme zu portieren, es gab jedoch eine Reihe von grundsätzlichen Problemen. Ein paar Jahre später erschien Java, das u.a. die Portierung von Programmen grundsätzlich viel besser gelöst hat als C++. Deswegen habe ich mich für diese Sprache entschieden. Zu Eclipse kam ich durch die integrierte Entwicklungsumgebung für Java. Von dort aus war es nur ein kleiner Schritt zur Eclipse Rich Client Platform (RCP), die ich seit Eclipse 3.0 zur Entwicklung von Desktop-Anwendungen einsetze.

 

Warum liegt Ihnen das Thema Eclipse Rich Client am Herzen?

Es gibt Leute, die behaupten, Java sei nichts für die Entwicklung von Desktop-Programmen. Das ist grundfalsch. Java bietet zusammen mit Eclipse RCP eine sehr leistungsfähige Plattform für solche GUI-Programme. Eclipse RCP löst grundsätzlich eine Menge an Problemen eines Desktop-Programms wie einheitliche Menüs, Fensterverwaltung, Hilfesystem, Voreinstellungen, Modularisierung und Programm-Updates.

Rein äußerlich unterscheiden sich Eclipse-RCP-Programme aber nicht (oder nur wenig) von Programmen, die eigens auf ein spezielles Betriebssystem zugeschnitten sind. Somit bietet die Eclipse Rich Client Platform das beste aus den verschiedenen Welten: leichte Portierung und leistungsfähige Funktionen sowie ein systemtypisches Erscheinungsbild.

Leider ist das wenigen bekannt.

 

Mit Ihrem Buch Eclipse Rich Clients und Plug-ins hier im Hanser Verlag geben Sie dem Leser ein Arbeitsmittel an die Hand, die Eclipse RCP von Grund auf zu erlernen. Gerade ist es erscheinen. Wie fühlt sich das an?

Wie nach einer schwierigen Bergwanderung. Man sitzt müde und verschwitzt unter dem Gipfelkreuz und erfreut sich am Ausblick.

 

Und für wen genau ist das Buch geeignet und welche Eclipse-Versionen deckt es ab?

Die Eclipse Rich Client Platform ist wegen ihrer Leistungsfähigkeit vergleichsweise kompliziert. Daher richtet sich das Buch vorwiegend an professionelle Entwickler mit guten Java-Programmierkenntnissen, die Desktop-Programme entwickeln möchten. Die Versionen der Eclipse RCP, die das Buch abdeckt, sind die klassische Eclipse-3.x-Linie, aber auch das neue Eclipse e4, also das neue Eclipse-4.x-Programmiermodell.

 

Eclipse als Plattform und als Entwicklungsumgebung, erklären Sie uns den Unterschied?

Die Eclipse-Entwicklungsumgebung ist eigentlich nichts anderes als ein Desktop-Programm — allerdings ein sehr kompliziert aufgebautes. Der Aufbau der Eclipse-Entwicklungsumgebung und die Bibliotheken für die grafische Oberfläche, die hier verwendet werden, ergeben — sehr vereinfacht dargestellt — die Eclipse Rich Client Platform. Diese Softwareplattform erlaubt, so komplizierte Programme wie eine Entwicklungsumgebung oder eine Tabellenkalkulation mit vergleichweise wenig Aufwand zu schreiben.

 

Was hat Ihnen am Schreibprozess des letzten Buchprojektes besonders gefallen und was würden Sie das nächste Mal anders machen?

Ich habe das Buch mit LaTeX gesetzt. Die ausgefeilte LaTeX-Vorlage des Hanser Verlags hat mir beim Schreiben des Buchs sehr geholfen. Sie hat den komplizierten Satz mit den vielen Abbildungen, Tabellen und Listings sehr vereinfacht. Beim nächsten Mal würde ich gerne den Umfang des Buchs erweitern. Da das Buch beide Eclipse-RCP-Programmiermodelle beschreibt, waren rund 500 Seiten — auch wenn sich das etwas seltsam anhört — sehr knapp bemessen.

 

Haben Sie schon eine neue Buchidee oder schreiben Sie bereits an einem neuen Buch?

An Ideen fehlt es mir nicht. Wenn die Zeit neben meiner Berater- und Entwicklerarbeit reicht, gibt es bald etwas Neues.