Die IT-Praxis zeigt, dass in vielen Unternehmen die Architekturen über Jahre hinweg gewachsen und durch hohe Komplexität und Heterogenität sowie vielfache Redundanzen gekennzeichnet sind. Laufend wurden in der Vergangenheit neue Systeme und Komponenten – zum Großteil als Einzellösung – angeschafft, um den Anforderungen des Unternehmens gerecht zu werden. Die dadurch entstandene IT-Landschaft mit unterschiedlichen Hardware- und Softwarelösungen, die sehr häufig auf unterschiedlichen Technologien basieren, unterstützt die Geschäftsprozesse nicht effizient genug und kann nur unter erhöhtem Administrations- und Personalaufwand betrieben werden.
Typische Eigenschaften bzw. Folgen solcher IT-Landschaften sind: Unübersichtlichkeit der Architekturlandschaft, fehlende Flexibilität, vermehrter Schulungsbedarf bei den Anwendern, erhöhte Lizenzkosten sowie unzureichende Dokumentation. Vermutlich steht auch Ihr Unternehmen vor der Herausforderung, dass die IT-Applikationslandschaft sowie die IT-Infrastruktur eine hohe Komplexität aufweisen. Oft sind teils eher überdimensionierte Lösungen auf diversen Technologieplattformen zu realisieren. Hinzu kommt: Auch die Integration der Datenbestände wird vielfach als unbefriedigend empfunden.
Um gravierende Negativfolgen für das Unternehmen zu vermeiden bzw. zu reduzieren, müssen IT-Verantwortliche handeln. Überlegen Sie gezielt, welche Konsolidierungsmaßnahmen zu den IT-Applikationen und IT-Systemen geeignet sind und wie Sie diese Maßnahmen zielorientiert umsetzen.

Welche Wege und Ebenen zur Konsolidierung bieten sich heute an?

Um eine ganzheitliche Konsolidierung der IT-Landschaft zu gewährleisten, ist es wesentlich, einen geeigneten Einstiegspunkt zu bestimmen sowie eine Grundpositionierung vorzunehmen. Die Wahl des Einstiegspunktes ist abhängig vom aktuellen Technologieniveau der implementierten IT-Infrastrukturen sowie den Unternehmenszielen. Dabei ist zu entscheiden, auf welchen Ebenen die Konsolidierung erfolgen soll. Sinnvoll ist natürlich eine integrierte Gesamtkonzeption:

  1. Applikationskonsolidierung: Zentralisieren Sie Funktionalitäten von Anwendungssystemen und konzentrieren Sie Ihre Systeme auf wenige Komponenten. Prüfen Sie außerdem die Geschäftsprozessorientierung darauf, ob die Schnittstellen zwischen der Geschäftsarchitektur und Applikationsarchitektur optimal realisiert sind.
  2. Daten- und Informationskonsolidierung: In Unternehmen gibt es Daten, redundante Daten, fehlerhafte Daten und fehlerhafte, redundante Daten. Über eine Konsolidierung in eine homogene Struktur gewinnen Sie aus all diesen Daten pragmatisch und effizient konsistente Informationen.
  3. Konsolidierung der IT-Infrastruktur: Empfehlenswert ist es, Dienste, Applikationen und Datenbanken, die die IT erbringt, auf möglichst wenige, dafür hochverfügbare und dynamische Systeme zusammenzufassen. Dies betrifft vor allem die installierten Server, Speichersysteme und Netzwerke.
  4. Konsolidierung der IT-Prozesse: Die IT-Leistungsprozesse (Softwareentwicklung, Service- und Supportprozesse) sind möglichst exakt zu identifizieren und zu beschreiben. So lassen sich Optimierungsansätze herausfiltern, um etwaige Redundanzen zu erkennen bzw. die Ergebnisqualität erhöhen.

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Wie können Sie geeignete Maßnahmen zur Konsolidierung auf den beschriebenen Ebenen finden?

Wenn Sie sich auf die Konsolidierung der IT-Infrastrukturen fokussieren, dürfte zunächst einmal die Komplexitätsreduktion im Mittelpunkt Ihrer Überlegungen stehen. Ihr Ziel muss es letztlich sein, so viel Standardisierung wie möglich zu realisieren (ohne dadurch natürlich an Flexibilität einzubüßen). Entsprechend den Objekten werden drei Varianten der Hardware-Konsolidierung unterschieden: Server-, Storage- und Netzwerkkonsolidierungen:

  • Ziel einer Server-Konsolidierung muss es beispielsweise sein, sich von umfangreichen, oft heterogenen und verteilten Serverlandschaften zu verabschieden.
  • Im Rahmen einer Konsolidierung von verteilten Storage-Kapazitäten wird vor allem eine Optimierung der Speicherkapazitäten sowie eine Effizienzsteigerung bzgl. der Speicherverwaltung angestrebt.
  • Netzwerk-Konsolidierung betrifft die Strukturen der Netzwerke, die Dienste im Netzbetrieb sowie die eingesetzte Systemsoftware.

Im Rahmen der Applikations-Konsolidierung können Sie folgende Handlungsoptionen in den Fokus nehmen: Realisierung der Anwendungsintegration; Abbau von Komplexität bezüglich der Handhabung; Konsolidierung der Applikationszugriffe. Vor allem mit einer stärkeren Integration der Anwendungen können Sie den Weg zu einer geringeren Komplexität der IT ebnen. Erreichen können Sie dies unter anderem durch eine verstärkte Geschäftsprozess-Orientierung der Anwendungsentwicklung und -implementation.
Schauen wir noch auf die Thematik „Datenkonsolidierung“: Durch den Übergang von Datensilos einzelner Abteilungen hin zu einer geschlossenen, unternehmensweiten Informationssicht lassen sich Datenredundanzen vermeiden und Mehrfacherfassungen reduzieren. Im Verlauf des Konsolidierungsfortschritts wird es so immer einfacher, von mehreren Anwendungen, die auf mehrere Datenbanken zugreifen, auf eine echte Integration von Datenbanken und Anwendungen umzusteigen.

Projektorientierung ist oft unverzichtbar

In welchem Umfang in dem jeweiligen Anwendungsfall Konsolidierungsaktivitäten nötig sind, hängt natürlich von der spezifischen Ausgangssituation des Unternehmens bzw. der Unternehmensarchitektur ab. In der Regel wird eine umfassende IT-Konsolidierung nur durch ausdrückliche Inangriffnahme eines Projektes erfolgreich realisiert werden können. Ein mögliches Vorgehen im Projekt zeigt die Abbildung am Schluss dieses Beitrages:

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Insgesamt kann – so zeigen viele Erfahrungen – durch gezielte Konsolidierungsmaßnahmen bzw. umfassende IT-Konsolidierungsprojekte den Zielen reduzierter IT-Gesamtkosten, gesteigerter Service Levels und erhöhter Flexibilität der Anwendung in besonderer Weise Rechnung getragen werden.

Fazit

Mit der Konsolidierung der IT-Landschaft lassen sich automatisch Kosten einsparen und mehr Flexibilität erreichen. Die Gartner-Group geht beispielsweise davon aus, dass sich mit einheitlichen Anwendungen die IT-Kosten um mehr als 25 % senken lassen. Allerdings kann man mit unflexiblen Standards keinen Wettbewerbsvorteil erzielen. Hier gilt es einen Kompromiss zu finden.
Im nächsten Teil der Blogserie wird aufgezeigt, warum Sie dem IT-Asset- und Lizenzmanagement mehr an Bedeutung beimessen sollten. Bleiben Sie dabei!
Weitere Informationen zum  Thema finden Sie auf der Buchseite Handbuch IT-Systemmanagement. Vorgehensmodelle, Managementinstrumente, Good Practices.

Tiemeyer, IT-Systemmanagement