Jonas Richartz hat im Mai mit Spiele entwickeln mit Unreal Engine 4 sein erstes Buch veröffentlicht. Obwohl er mit seiner Firmengründung gerade voll ausgelastet ist, hat Herr Richartz Zeit gefunden für ein Interview: Wir haben ihm ein paar Fragen gestellt zu seinem Werk und zur Spieleentwicklung mit UE4.

 

Wie sind Sie zum Spieleprogrammieren gekommen? (Redaktion)
Ich habe mich schon immer für Spiele interessiert und fand den Gedanken, Spielumgebungen zu erstellen, schon immer interessant. Dabei habe ich recht simpel angefangen mit einfachen kleinen Level für diverse Spiele. Sei es in einem Strategiespiel oder Shooter, das war mir immer relativ egal, solange ich für meine Lieblingsspiele neue Inhalte erstellen konnte. Da ich mich gerade für die Erstellung von Levels interessiert habe, wollte ich immer Level Designer werden. Da ich zu dem Zeitpunkt noch sehr jung war, beschäftigte ich mich allmählich auch mit der Spieleentwicklung und Logik selbst, da ich unbedingt verstehen wollte, wie alles zusammenhängt und was für Komponenten für die Erstellung eines Spiels vonnöten sind. Ich habe mich beinahe täglich mit der Spieleentwicklung auseinandergesetzt und mich dann vollends dazu entschlossen, in diesem Bereich tätig zu werden. Ich war mittlerweile auf der Games Academy in Frankfurt, als ich mich das erste Mal mit Engines auseinandergesetzt hatte und habe dort eigentlich alle Verfügbaren ausprobiert gehabt, aber irgendwie hat mich keine Engine so richtig angesprochen, bis dann im selben Jahr die Unreal Engine 4 erschien.

Warum Unreal Engine 4?
Vom ersten Moment an habe ich die Unreal Engine 4 geliebt. Schon beim UDK (Unreal Engine 3) mochte ich das damalige Kismet, welches die erste Erfahrung von mir im Bezug aufs Visuelle Programmieren war. Als dann aber die Unreal Engine 4 mit den Blueprints kam, welches voll und ganz auf die Visuelle Programmierung ausgelegt war, konnte mich nichts mehr halten. Seit der ersten Version der Unreal Engine 4 arbeite ich täglich mit dieser und lerne jeden Tag dazu. Das Visuelle Programmieren macht einfach ungemein viel Spaß und erlaubt es, Ideen schnell und unkompliziert umsetzten zu können. Es erlaubt einem, innerhalb von wenigen Stunden ganze Prototypen zu programmieren und Ideen somit schnell austesten zu können, was sonst einfach nicht so schnell möglich wäre.

Was sollte der Leser über Ihr Buch wissen?
Der Leser sollte wissen, dass es sich um eine Einführung in die Welt von Unreal und der Spieleprogrammierung handelt, aber dass einem nicht alles auf dem Silbertablett geliefert wird. Es wird nicht alles auf Anhieb klappen und das soll es auch nicht. Nur durch Fehler lernt man und das Buch wird dir dabei helfen, die Engine zu deinem Vorteil nutzen zu können und das Verständnis, wie die Engine funktioniert, zu erlangen. Zusätzlich kann man mich jederzeit bei Fragen anschreiben und ich versuche, so gut ich kann zu helfen. 🙂

Gibt es ein Thema im Buch, das Ihnen besonders am Herzen liegt?
Kapitel 22 liegt mir besonders am Herzen. Dies ist das Kapitel, in dem ich mit dem Leser zusammen ein kleines Spiel erstelle und dabei aus den vorangegangenen Kapiteln möglichst viel verwende. So wird dem Leser klar, wie gegen Ende alle Bausteine sich zu einem runden Ganzen zusammenfügen lassen und er hat somit ein praktisches Beispiel vor Augen, wie sich das Gelernte umsetzten lässt.

Haben Sie einen Tipp für alle, die sich mit UE4 zum ersten Mal ans Spieleentwickeln machen?
Nicht die Geduld verlieren! Es wird nicht alles auf Anhieb funktionieren und du wirst Fehler machen. Es muss dir zu jeder Zeit klar sein, dass Fehler nichts Schlimmes sind, sondern dir helfen, mehr über die Engine zu erfahren. Versuche vor allem, immer zuerst selbst die Fehler zu beheben und nicht sofort Hilfe zu suchen. Denn nur, wenn du den Fehler selbst und eigenständig behebst, lernst du das meiste daraus und festigst deinen eigenen Wissensstand. Klar, wenn es zu lange dauert, kannst du dir gerne Hilfe suchen, aber versuche zunächst immer, durch Ausprobieren zu lernen. Learning by Doing. 🙂

Sie sind auch auf YouTube aktiv. Was bieten Sie den Usern dort?
Das Buch ist sehr allgemein gehalten und behandelt die Grundlagen der Spieleentwicklung. Meine YouTube-Videos sind da sehr anders und gehen meist speziell auf bestimmte Funktionen beziehungsweise Mechaniken ein. So zeige ich anhand von praktischen Beispielen, wie man ein Inventar-System erstellen kann oder wie du ein Building-System erstellen kannst. Dabei handelt es sich immer um bestimmte Anwendungsfelder und weniger um Erklärungen im Sinne von „Wie nutze ich Arrays?“. Es wird sozusagen eine Frage gestellt „Wie erstelle ich ein Crafting-System?“ und diese Frage versuche ich innerhalb von einem Video zu beantworten, indem ich von Null anfange und am Ende des Videos eine mögliche Lösung parat habe. Die Videos können mitunter ziemlich lang sein und auch mal gut drei Stunden lang gehen.

Was wird im Bereich Unreal Engine (4) gerade diskutiert?
Puh, das ist eine schwere Frage, da jederzeit rund um die Unreal Engine 4 diskutiert wird zu den verschiedensten Themen. Zurzeit wird auch vermehrt mit VR (Virtual Reality) entwickelt, wo nun auch der komplette UE4 Editor in VR zugänglich ist. Das heißt, du kannst dein Spiel komplett in VR entwickeln und Objekte praktisch vor dich hin platzieren, da du dich ja vom Prinzip im Spiel selbst befindest. Und dafür, dass dies nur der erste Schritt ist, finde ich das schon herausragend!