In diesem Beitrag geht es um 3D-Fotografie und wie man mit kleinem Budget und Kompaktkameras erste Erfahrungen in der digitalen Raumbildfotografie sammeln kann. Was ist eigentlich die Cha-Cha-Methode? Wie verhält es sich mit bewegten Objekten und dynamischer 3D-Fotografie? Funktioniert das auch im low Budget-Bereich?

Das erwartet Sie im Folgenden:

Räumliches Sehen bis hin zu Virtual Reality

Sir Charles Wheastone gelang mit seinem Stereoskop genannten Apparat der Nachweis, dass räumliches Sehen beim Menschen durch die leicht unterschiedlichen Blickwinkel des rechten und des linken Auges begründet ist. Etwa zu gleicher Zeit, Mitte des 19. Jahrhunderts., wurde durch die Entwicklung fotografischer Verfahren die dauerhafte Aufzeichnung von Bildern möglich. Die Voraussetzungen für die Stereoskopie waren also gegeben. In den Anfängen der 3D-Fotografie kam es zur weiten Verbreitung der Stereokarten und Betrachtungsgeräte, die in den Wohnzimmern des Bürgertums präsent sein mussten. Wenn wir heute über Virtual Reality reden, dann ist damit das Eintauchen in räumliche Welten inbegriffen. Mit Smartphone und Cardboard kann jeder dem Medium begegnen. 3D-VR-Videokameras mit zwei Objektiven sind hochaktuell, Lenovo Mirage und Yi Horizon sind derzeit für Google’s VR180-Format angesagt.

3D-Fotografie mit der Cha-Cha-Methode

Beginnen wir unsere Reise in die Welt der räumlichen Fotografie aber zunächst mit einfachen Mitteln, die unser Taschengeld-Budget so gut wie nicht belasten. In jedem Haushalt findet sich eine digitale Kompaktkamera. Mit der sog. Cha-Cha-Methode macht man zwei Aufnahmen in die gleiche Richtung. Zwischen der ersten und der zweiten Aufnahme verlagert man das Gewicht vom linken auf das rechte Bein, schon hat man die zwei Halbbilder eines Stereobildpaares erzeugt. Trennt man bei der Betrachtung die Bilder für das rechte und das linke Auge, so entsteht der Raumeindruck. Diese Bildtrennung kann man durch Parallelblick, Kreuzblick oder mit dem Anaglyphenverfahren vornehmen. Letzteres benötigt eine freie Software auf dem PC und eine Rot-Cyan-Brille. Wenn Sie ein Smartphone zur Hand nehmen, kann man die gesamte Prozedur von einer App unterstützten lassen, z. B. 3D Stereoid aus dem Google Play Store.

Bewegte Objekte in der 3D-Fotografie

Unser erster Versuch führte also bereits zum Erfolg. Aber was ist mit den bewegten Objekten im Bild? Bewegung von Vegetation durch Wind, Verkehrsteilnehmer u. a. erzeugen Störungen im Raumbild. Noch sind wir auf statische Szenarien beschränkt. Also eliminieren wir im Nachhinein dynamische Objekte. Es wird ein Stativ mit einer einfachen Blitzschiene eingesetzt. Auf dem linken Standpunkt ist in zeitlichen Abständen eine Bildserie aufzunehmen. Die Kamera wird auf der Blitzschiene nach rechts verschoben und es erfolgt die Aufnahme der zweiten Bildserie. Die Bilder jeder Sequenz sind in einem HDR-Programm auf dem PC zu bearbeiten, dabei werden die bewegten Objekte automatisch entfernt. Die aufgenommene Situation wird zur statischen und  ein bequem zu betrachtendes Stereobild wird dargeboten. Das Bild vom Altstadtmarkt in Wolfenbüttel ist also nicht am Sonntag in aller Frühe belichtet, sondern zu normalen Geschäftszeiten. Wie war das noch mit der Parallaxe? Die entsteht durch die Verschiebung der Kamera auf der Blitzschiene. Ungefähr 1/30 der Aufnahmeentfernung sollte man vornehmen.

Abbildung 1: Altstadtmarkt in Wolfenbüttel. Fotografiert mit einer Digitalen und Standpunktwechsel, bearbeitet mit HDR-Software aus dem Buch Pomaska, 3D-Fotos und -Videos

Abbildung 1: Altstadtmarkt in Wolfenbüttel. Fotografiert mit einer Digitalen mit Standpunktwechsel, nachbearbeitet mit HDR-Software. Umrandet werden die Halbbilder von einer klassischen Stereokarte,

Dynamische 3D-Fotografie

Nach den schnellen Erfolgen soll es jetzt aber auch dynamisch werden. Wir benötigen zwei Kompakte gleicher Bauart, eBay lässt grüßen, und montieren diese zu einem Twin-Set auf der Blitzschiene bzw. beschaffen uns eine höherwertige Stereoschiene. Dabei kann auch der 3D-Drucker zum Einsatz kommen, wie dem Bild zu entnehmen ist. Weiter wird die Software Stereo Data Maker, frei im Netz erhältlich, und ein Synchronauslöser benötigt. Den Auslöser kann man fertig kaufen oder im Eigenbau herstellen. Die Details zu unserem Twin-Set, früher nannte man es Gespann, befinden sich in Kapitel 6.2 meines Buches 3D-Fotos und -Videos.

Abbildung 2: Ein Twin-Set mit zwei Canon IXUS montiert in einer Z-Schiene aus dem 3D-Drucker aus dem Buch Pomaska, 3D-Fotos und -Videos aus dem Buch Pomaska, 3D-Fotos und -Videos

Abbildung 2: Ein Twin-Set mit zwei bei eBay ersteigerten Canon IXUS. Montage in einer Z-Schiene aus dem 3D-Drucker aus dem Buch Pomaska, 3D-Fotos und -Videos

Auch für den kleinen Geldbeutel?

Welche Möglichkeiten gibt es bei einer ‚low Budget‘ Vorgabe noch zur Beschaffung einer 3D-Kamera? Da wären die Action Cams, oder das Raspberry Pi Kameramodul, die SVPro VR Kamera für das Handy oder auch Webcams sind geeignet. Wenn Sie eine Anaglyphenbrille zur Hand haben, dann schauen Sie doch mal auf die Abbildung 3. Auf engstem Raum mit einem Action Cam Twin-Set fotografiert, Nach Korrektur der Objektivverzeichnung sind die Halbbilder in der Tiefenmitte überlagert. So ist das Bild auch als monoskopische Abbildung brauchbar.

Abbildung 3: 3D-Fotografie mit der Action Cam, Schwarzweiß-Anaglyphe aus dem Buch Pomaska, 3D-Fotos und -Videos

Abbildung 3: 3D-Fotografie mit der Action Cam, Schwarzweiß-Anaglyphe

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