Häufig stellen sich gerade Programmiereinsteiger die Frage, welche die beste Programmiersprache sei. Das lässt sich genauso wenig beantworten wie die Frage, ob ein Hammer besser ist als ein Schraubenschlüssel. Beides sind Werkzeuge, nur eben für verschiedene Zwecke. Bei Programmiersprachen ist das ähnlich.

Python ist eine sehr vielseitige und flexible Sprache, die sich für fast alle Anwendungsgebiete eignet. Nicht ohne Grund nimmt die Verbreitung der Sprache gegenwärtig immer weiter zu. Zu den großen Stärken von Python zählen die leichte Erlernbarkeit, die gute Strukturierung der Sprache sowie deren Zugänglichkeit. Mit Python erhält man sehr schnell Ergebnisse, denn die Entwicklungszeiten sind gegenüber anderen Programmiersprachen sehr kurz. Nicht umsonst wird Python in der heutigen Zeit sehr oft als Einsteigersprache empfohlen. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie nur für kleine Aufgaben geeignet ist. Ganz im Gegenteil: Sogar große und namhafte Unternehmen wie Google, die NASA, Dropbox und Facebook setzen auf die Vorteile von Python.

Möchtest Du ein kleines Tool schreiben, dass Dir bei der täglichen Arbeit am Rechner einige immer wiederkehrende Aufgaben abnimmt? Dann verwende Python! Hast Du vor, ein Programm mit grafischer Benutzeroberfläche zu entwickeln, ohne dafür übermäßig viel Aufwand betreiben zu müssen? Das ist mit Python möglich! Wolltest Du schon immer einmal deine eigene Heimautomatisierung realisieren und die Beleuchtung Deiner Zimmer, die Temperatur im Wohnzimmer oder die Rollos am Fenster per Knopfdruck steuern? Mit einem Raspberry Pi und Python kein Problem!

Python ist im wissenschaftlichen Bereich ebenso vertreten wie in der Anwendungsentwicklung und im Webbereich. Die Einsatzzwecke erstrecken sich dabei von kleinen, schnell zu erledigenden Aufgaben für zwischendurch bis hin zu großen, aufwendigen Projekten. Ein echter Allrounder eben.
Ein weiterer Vorteil von Python ist die Plattformunabhängigkeit. Es spielt keine Rolle, ob man für Windows, Linux oder macOS entwickeln möchte. Python ist für alle relevanten Systeme vorhanden und kostenfrei erhältlich. Auf vielen Unix-basierten Systemen ist Python sogar bereits vorinstalliert (Linux, macOS).

Allerdings gibt es auch einige Nachteile, denn es kann natürlich nicht „die“ perfekte Sprache für alles geben. Python eignet sich beispielsweise nicht für tiefgehende Systemprogrammierung. Niemand würde einen Treiber oder ein Betriebssystem in Python schreiben. Das liegt unter anderem daran, dass es sich um eine interpretierte Sprache handelt. Was genau das bedeutet, erfährst Du im nächsten Abschnitt. Zusammenfassend kann man jedoch sagen, dass ein Python-Programm nicht alleine lauffähig ist, sondern immer ein separates Programm zur Ausführung benötigt, den sogenannten Interpreter. Das bedeutet natürlich, dass man mit Python-Programmen in der Regel keine Wettrennen gewinnen wird. Wenn Ausführungsgeschwindigkeit der wichtigste Aspekt ist, ist es also nicht die erste Wahl. Zwar können rechenintensive Programmteile auch in anderen Sprachen entwickelt und dann eingebunden werden, aber „pure“ Python-Programme gehören nicht zu den Geschwindigkeitswundern. Es muss also je nach Anforderung abgewogen werden, was wichtiger ist: schnelle Entwicklungszeit oder schnelle Ausführung. Eine eigene Grafik-Engine für moderne Computerspiele wird man mit Python also wohl nicht entwickeln.

Möchte man Apps für mobile Systeme wie Smartphones und Tablets entwickeln, so wird man zwangsläufig bei Objective-C oder Swift (iOS), respektive Java (Android) landen. Dies ist also einer der wenigen Bereiche, in denen man mit Python nicht weiterkommt.

Ein weiterer Anwendungsfall, bei dem Python den Kürzeren zieht, ist die Entwicklung im Embedded-Bereich. In diesem Gebiet ist jedes Byte wichtig und es wird an jeder Ecke optimiert. Einen Mikrocontroller wird man auch in den nächsten Jahren noch in C, C++ oder gar Assembler programmieren. Dennoch bleibt einem dieses Gebiet nicht gänzlich verschlossen, denn mit einem Raspberry Pi kann auch eine ganze Menge im Elektronikbereich realisiert werden.

Dies ist ein Auszug aus dem neuen Buch von Heiko Kalista: Python 3 – Einsteigen und Durchstarten, dass am 8. Oktober bei Hanser erschienen ist.